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25000 Menschen starben beim Angriff auf Dresden

18. March. 2010
18.March 2010

Die Dresdner Historikerkommission räumt einen Mythos beiseite. Während des alliierten Luftangriffes auf Dresden im Februar 1945 kamen weniger Menschen ums Leben, als seit 60 Jahren hartnäckig behauptet wird. Im Ergebnis ihrer akribischen Untersuchungen kommt die Kommission zu dem Schluss: Die Bombardierung Dresdens zwischen dem 13. und 15. Februar 1945 forderte 25000 Opfer. Die 2004 von der Stadt berufenen Experten übergaben gestern Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) ihren Abschlussbericht.

„Damit ist die letzte große Streitfrage zur Zerstörung Dresdens geklärt“, sagt Prof. Rolf-Dieter Müller.  Der Wissenschaftliche Direktor am Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr in Potsdam stand dem Gremium vor. Die Kommission sei allen Theorien nachgegangen, die Opferzahlen zwischen 20000 und 500000 und sogar eine Million behaupten. Die hohen Zahlen wurden mit der Annahme begründet, dass Dresden zwischen dem 13. und 15. Februar mit Flüchtlingen aus dem Osten überfüllt gewesen sei.  „Für diese These haben wir keine belastbaren Indizien gefunden“, erklärt Müller. Lediglich drei Prozent der Toten seien Flüchtlinge gewesen. Der Militärhistoriker verweist auf die Auswertung von Vermisstenlisten, vor allem der Heimatortskarteien der kirchlichen Suchdienste, die allein für Schlesien 7 Millionen Karteikarten enthalten. Außerdem wurden Zeitzeugen befragt. Keiner habe gesagt, dass die Dresdner Straßen mit Flüchtlingen überfüllt waren.

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Die Kommission widerlegte auch die Theorie vom „Höllenfeuer, das zahllose Menschen so verbrannte, dass von ihnen keine Überreste mehr zu finden waren“. Dafür hätten Temperaturen von über 1000 Grad Celsius herrschen müssen. „Die sind auch nachgewiesen worden, beispielsweise in der Kuppel der Frauenkirche, allerdings nicht zu ebener Erde und in den Kellern“, erklärt Thomas Widera, Leiter des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Anhand des Zerstörungsgrades von Sandsteinen, insbesondere jener der Frauenkirche, wurden die Temperaturen rekonstruiert, in der Höhe waren sie am höchsten. Auf den Straßen wütete der Feuersturm mit ebenso unvorstellbaren 300 bis 400 Grad und verbrannte die Menschen bis zur Unkenntlichkeit oder erstickte sie in den Kellern, löschte sie aber nicht vollkommen aus.

Sechs Jahre recherchierten die Forscher bundesweit in 800 Archiven. Selbst im Kriegschaos funktionierte die Bürokratie der Nazis: „Für jeden Toten wurden bis zu acht Dokumente ausgestellt“, erklärt Rolf-Dieter Müller. Außerdem wertete die Kommission 1600 Erlebnisberichte von Zeitzeugen aus. Sie trug 60000 Belege zu 20000 Opfern zusammen, die nun namentlich genannt werden können. Die Hälfte davon waren Frauen. Jedes sechste Opfer war ein Kind. Zudem waren unter den Getöteten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus 20 Nationen, jedoch nur 100 Soldaten, obwohl 15000 Soldaten in der Stadt waren. 5000 Tote bleiben aber weiterhin namenlos.

Die Kommission ging auch Erzählungen nach, dass Tiefflieger fliehende Menschen beschossen hätten. Auf der Suche nach Beweisen arbeitete sie mit dem Kampfmitteldienst und Archäologen zusammen. Doch auf den Verdachtsflächen fand man keine Tieffliegermunition keine. „Ich hoffe, dass unser Bericht zur Versachlichung des Streits um die Opferzahlen beiträgt“, so Rolf-Dieter Müller.  Der Kommission sei es vor allem darum gegangen,  „das einzelne Schicksal der Vergessenheit zu entreißen“. Es drohte im würdelosen Streit um Zahlen unterzugehen. Die Nazis waren übrigens die ersten, die 230000 Tote ausriefen. „Da hat man für die Propaganda an die tatsächliche Zahl einfach eine Null angehängt“, vermutet Müller.

In welcher Weise die Erinnerung an die nun namentlich erfassten 20000 Menschen, die beim Luftangriff auf Dresden ums Leben kamen, wach gehalten wird, konnte Matthias Neutzner von der Interessengemeinschaft „13. Februar 1945“ noch nicht sagen. Er wünscht sich, dass das Stadtarchiv Einsicht in die Namensliste gewährt. Der Bericht ist dagegen bereits auf der Homepage der Stadt veröffentlicht.

(Brigitte Holland)

Kommentare

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Erich Lienhart

Am 05. April. 2010 um 13:33 Uhr

Zur Arbeit der Dresdner Historiker- Kommission seien einige Anmerkungen erlaubt: Ihre nun veröffentlichten Angaben zu den Opferzahlen der fürchterlichen Luftschläge auf Dresden pendeln sich offensichtlich zwischen 18 000 und 25 000 ein. Hier drängt sich ein Vergleich mit dem ebenfalls im Februar 1945 weitgehend zerstörten Pforzheim auf. Beide Städte hatten relativ bescheidene Luftschutzmöglichkeiten, was den Ausbau von besonders geschützten Anlagen betrifft. Die Bebauungsdichte in den Innenstädten war vergleichbar. In beiden Fällen entwickelte sich ein Feuersturm. In Pforzheim kam jeder dritte Einwohner ums Leben: Von 60 000 ca. 20 000. Dresden hatte vor dem Krieg ca. 630 000 Einwohner. Hinzu kommen jedoch Hunderttausende Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten, die sich vor der anrückenden Sowjetarmee in Sicherheit bringen wollten. Diese genossen naturgemäß einen noch wesentlich herabgesetzten Luftschutz gegenüber den Einheimischen, da viele sich nur vorrübergehend in Dresden aufhielten und keine feste Bleibe hatten. Die nach Berlin gemeldeten ca. 200 000 Todesopfer nach dem Luftangriff stimmten weitgehend mit den aus späteren sowjetischen Angaben überein, die aus eigenen Untersuchungen gewonnen wurden und höchstwahrscheinlich nicht nationalsozialistischen Propagandazwecken dienen sollten. In einer vorsichtigen, sehr akribischen Untersuchung, kommt der Luftkriegs- Historiker Dr. Wolfgang Schaarschmidt in seiner neuesten Veröffentlichung ( Dresden 1945- Daten-Fakten-Opfer, Ares-Verlag ) auf mindestens 100 000 Todesopfer. Die Ergebnisse der Historiker- Kommission werden in dem Moment nachvollziehbar, wenn man nur die einwandfrei identifizierten Opfer zugrunde legt. Dies dürfte bei annähernd 1000 Grad Celsius in einem flächendeckenden Feuersturm wohl kaum auf alle Opfer zutreffen. Aus diesem Grund kann für viele Dresdner das nun öffentlich präsentierte Resultat der Historiker- Kommission bestenfalls ein Zwischenergebnis, aber noch nicht das Ende der Forschung bedeuten.

 
 

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