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Wirtschaft

Luxus in Zeiten der Krise

12. Januar. 2010
12.Januar 2010
Informationstag im Großraumbüro der Deutschen Werkstätten Hellerau. Das Unternehmen agiert neuerdings als Generalunternehmen im Innenausbau, da muss die Kommunikation zwischen den Abteilungen klappen.

Großraumbüro Deutsche Werkstätten Foto: Holland

Die Fachkräfte von morgen mit Perfektionsanspruch werden in der eigenen Lehrwerkstatt ausgebildet.

Einblick in die Villa „Usovo“, 2007 von den Deutschen Werkstätten Hellerau ausgestattet.  „Usovo“ heißt nicht der Eigentümer, sondern der Moskauer Stadtteil, wo die Villa steht.

Vorstandsetagen deutscher Konzerne oder Villen reicher Russen tragen ihre Handschrift. Auf die Ausstattung von Yachten für arabische Prinzen sind die Deutschen Werkstätten Hellerau (DWH) ebenfalls spezialisiert. Luxus ist ihr Geschäft. Das Unternehmen mit einer hundertjährigen Geschichte arbeitet seit 10 Jahren im Auftrag der Milliardäre dieser Welt. Doch selbst die Reichen der Reichen, die in Krisenzeiten stets als widerstandsfähig galten, verloren zwischenzeitlich viel Geld. Wenngleich sie immer noch viel haben, entdeckten sie die Macht des Sparens. Die Deutschen Werkstätten Hellerau spüren es am gnadenlosen Preisdruck und am Kampf um Aufträge. Mit Kreativität behaupten sie sich in der Krise.

Die aufgespannten Schirme auf einigen Schreibtischen in der Licht durchfluteten Halle der Deutschen Werkstätten haben nichts mit den Gewittern am Finanzhimmel zu tun. Kleine und mittelständische Unternehmen müssen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bekanntlich ohne „Rettungsschirme“ der großen Politik auskommen, die jene über Banken hielt, weil sie sich am Finanzmarkt verzockten. Gezockt wird im Großraumbüro der Deutschen Werkstätten nicht, wohl aber geplant, gezeichnet, kalkuliert und geforscht. Dabei müssen nur ab und zu ein paar vorwitzige Sonnenstrahlen, die sich durch die Fenster an der Decke drängen von den Bildschirmen der PCs abgehalten werden.

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Nebenan in der Werkstatt leuchtet das Tageslicht die edlen Furniere perfekt aus oder setzt die maßgeschneiderten Einbauteile für eine Yacht schon mal in Szene. Gerade wird am Interieur eines luxuriösen fast 100 Meter langen Schiffes mit sieben Decks im Auftrag einer italienischen Werft gearbeitet. Der Bauplan verrät jedes Detail, aber nicht den Namen des eigentlichen Auftraggebers. „Der Eigner wird meist nicht genannt, auch wir verhandeln häufig nur mit der Werft und dem Designer“, sagt Hartwig Ballis, Chef der Entwurfsabteilung in den Deutschen Werkstätten.  Zumindest gibt sich der künftige Yachtbesitzer als Raucher zu erkennen. Denn neben einer Lounge und einem Salon wünscht er sich einen Zigarrenraum mit Blick auf das Meer und selbstverständlich auf Hochglanz poliertes Ebenholz.

Vor drei Jahren waren Geschäftsführer Fritz Straub und seine inzwischen 170 Mitarbeiter in die 10000 Quadratmeter große neue Halle am Moritzburger Weg gezogen. Auf der anderen Straßenseite stehen sie noch, die Gebäude, wo Karl Schmidt die deutsche Möbelherstellung revolutionierte. 1898 gründete der Tischler – inspiriert durch einen längeren Aufenthalt in England -  die Deutschen Werkstätten und stellte die ersten industriell gefertigten Möbel her. Er wollte formschöne und qualitativ hochwertige Möbel zu einem erschwinglichen Preis anbieten. Die klare Linie und die sachliche Form prägen bis heute den Stil der Deutschen Werkstätten. Selbst ihre Schrankwände waren zu DDR-Zeiten ein Renner. 1992 kaufte Fritz Straub, der Pharmamanager aus dem Westen, der was Neues machen wollte, der Treuhand „die Möbelbude“ ab. Doch mit Möbeln war kein Geld zu verdienen, wohl aber mit den Erfahrungen der Hellerauer Tischler beim Innenausbau etwa der Semperoper in Dresden oder dem Gewandhaus in Leipzig.

Mit ihrem Anspruch nach höchster Perfektion und Ästhetik arbeiteten sich die Deutschen Werkstätten nach der Wende Stück für Stück in die Luxusgüterbranche hoch. Ihre erste Yacht, die 140 Meter lange My „Al Salamah“, statten sie für keinen geringeren Kunden als die saudische Königsfamilie aus. Die Bremer Lürssen Werft hatte den Auftrag 1999 vermittelt.  Inzwischen gehören die Deutschen Werkstätten zu den Marktführern des exklusiven Nischengeschäfts. Bisher boomte es, insofern rechnet Geschäftsführer Fritz Straub für 2009 wieder mit einem Umsatzplus von fünf auf 40 Millionen Euro. Doch im Herbst 2008 machten auch die Superreichen Kassensturz.

„Seitdem laufen die Verhandlungen um neue Aufträge zäh“, erzählt Fritz Straub. Und wenn eine Vergabe winkt, dann lautet die Forderung, in höchster Güte liefern wie bisher, aber bitte 20 Prozent billiger. Die knappen Budgets strangulieren den hohen Qualitätsanspruch. „Wir haben es schwer zu vermitteln, dass 80 Prozent der Oberflächen aller Einbauten bei uns mit Hand bearbeitet werden“, erklärt Chefdesigner Ballis im dritten Teil der Halle, wo die Lackierer den Druckzerstäuber anwerfen und die Furniere veredeln. Zehn Lackschichten, jede einzelne mit der Hand aufgetragen und geschliffen, sorgen für makellosen Tiefenglanz jedes noch so kleinen Teils im Inneren der Yachten. Luftdichte Kammern hindern beim Lackieren Hellerauer Staubkörner sich als blinde Passagiere zwischen die Schichten zu schmuggeln.

An der Qualität, mit der sich die Deutschen Werkstätten ihren Platz in der Branche der exklusiven Innenausstatter eroberten, wollen sie keine Abstriche machen. Der Zwang, den Perfektionsgrad  zu hinterfragen besteht schon, seitdem die Superreichen knausern.  Die zeitweilige Gruppenbildung im Großraumbüro hat schon etwas mit der Finanz- und Wirtschaftskrise zu tun. „Wir üben gerade das Prinzip des Staffellaufs“, erklärt der Geschäftsführer. Denn neuerdings empfehlen sich die Deutschen Werkstätten als Auftragnehmer für den kompletten Innenausbau, um nicht länger die Fehler der anderen am Bau Beteiligten einsammeln zu müssen. „Wir bieten jetzt Alles aus einer Hand an: von der Vor- und Ausführungsplanung über die Fertigung bis zur Montage der Inneneinrichtung“, so Fritz Straub. Und so üben die Mitarbeiter die reibungslose Kommunikation über die Abteilungen hinweg. „Die Zusammenarbeit muss funktionieren, um Fehler zu reduzieren und damit Kosten zu sparen“, erklärt Fritz Straub.

Das Prinzip Alles aus einer Hand habe sich 2008 beim Ausbau eines Appartements in Moskau bewährt. Ein russischer Musik- und Kunstliebhaber beauftragte die Deutschen Werkstätten eine 250 Quadratmeter große Eigentumswohnung in einer Gründerzeitvilla ganz nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu planen und zu realisieren. „Wir haben die Chance genutzt, als Generalunternehmen alle Vorarbeiten zu kontrollieren, um die späteren Einbauten exakt einpassen zu können“, erzählt Fritz Straub. Um eine Genauigkeit im Millimeterbereich zu erreichen, sei ein 3-D-Aufmaß von der gesamten Wohnung erstellt worden. 2007 hatten die Deutschen Werkstätten ihre erste Villa in Moskau ausgestattet. Weil auch in diesem Fall der Name des Bauherrn geheim bleiben soll, wurde das Projekt Villa „Usovo“ genannt. Inzwischen weiß jeder Tischler in Hellerau, Usovo ist der Stadtteil in Moskau, wo die Abramowitschs wohnen, denen das Finanzdesaster zwar die Konsumstimmung verdarb, aber nicht unbedingt die Lust auf Hellerauer Unikate und Präzisionsarbeit.

In Reaktion auf die Krise erfinden sich die Deutschen Werkstätten als Generalauftragnehmer gerade neu und werben über Repräsentanten in London und an der Cote d`Azure um Kunden. Chefdesigner Hartwig Ballis pendelt häufig zwischen Dresden und der Niederlassung in Moskau und demnächst wohl auch zwischen Dresden und der Golf-Region. „Wir haben eine Menge Ideen“, will Geschäftsführer Fritz Straub keineswegs in der Krise mit dem Unternehmen untergehen, an das er 1992 sein Herz verlor, weil im Hof des alten Firmengeländes gerade eine Kastanie blühte. „Vielleicht bauen wir doch eines Tages wieder Möbel“, so Straub. Ganz hinten in der Fertigungshalle steht schon ein Prototyp, ein vom italienischen Designer Marco Zanini entworfener Schrank. Orangenfarbenes Furnier züngelt da wie ein vorwitziger Lichtstrahl auf der Oberfläche. Weil „Schrank“ aber zu simpel klingt, soll das exklusive Teil mal „Werkstück“ heißen,  um zu zeigen, was die Werkstätten alles können.

(Brigitte Holland)

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Arbeiten aus der Grafikwerkstatt Dresden

Grafiken, die Künstler 1989/1990 und 2009/2010 in der Dresdner Grafikwerkstatt druckten, sind bis zum 30. September in der neuen Ausstellung der  „Galerie  2. Stock“ im Rathaus zu sehen. Auch  wenn  die  Themen 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit nicht vordergründig verarbeitet worden sind, so sind sie doch als Atmosphäre und „Hintergrundleuchten“ spürbar. Grafiken von Klaus Drechsler, Angela Hampel, Eberhard Havekost,   Christiane   Just,   Maja   Nagel,  Gudrun  Trendafilov und Claus Weidensdorfer sind zu sehen. Seit  1958  werden  in  der Grafikwerkstatt Dresden, Arbeitsmöglichkeiten für Dresdner  Künstler  angeboten. Geöffnet  ist  die  „Galerie 2. Stock“ montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Jetzt hat die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) für alle Rucksack-Touristen ein neues Angebot parat: Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten: Sächsischer Weinwanderweg, Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, Kammtour Erzgebirge-Vogtland und Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

Ab Dezember nonstop von Dresden nach Basel

Ab Dezember bekommt Dresden eine Direktflugverbindung mehr. Die Fluggesellschaft easyJet eröffnet am 3. Dezember die Nonstoproute Dresden-Basel. Dreimal wöchentlich - mittwochs, freitags und sonntags - wird vom Flughafen Dresden-Klotzsche der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg angeflogen. Die neuen Flüge in die Schweiz lassen sich ab 8. Juli buchen unter www.easyJet.com

Jetzt dreimal pro Woche nonstop Dresden – Moskau

Aeroflot hat die Flugverbindungen zwischen Dresden und Moskau-Scheremetjewo weiter verbessert. Seit Juni bietet die russische Fluggesellschaft einen zusätzlichen Flug am Mittwoch und damit drei Nonstopflüge pro Woche und Richtung an. Der moderne Airbus A319 mit 116 Plätzen startet um 17.20 Uhr, montags bereits um 16.40 Uhr in Dresden. Die Landung in Moskau erfolgt um 21.55 Uhr bzw. am Montag um 21.15 Uhr. In der russischen Hauptstadt hebt die Maschine um 15 Uhr Ortszeit ab und erreicht Dresden um 15.40 Uhr Ortszeit.  Den Hin- und Rückflug kostet inklusive aller Steuern und Gebühren ab 211 Euro. Die Flugzeit beträgt rund zweieinhalb Stunden.

Tiere und Pflanzen des Jahres auf Postkarten

Auch in diesem Jahr will Sachsens Umweltministerium mit Postkarten zur Natur des Jahres 2010 den Blick wieder auf bekannte und weniger bekannte Schönheiten unserer heimischen Flora und Fauna lenken. Ausgesucht wurden dafür der Dachs (Tier des Jahres 2010), der Schönbär (Schmetterling d. J.), die Vogelkirsche (Baum d. J.), der Teichmolch (Lurch d. J.), die Herbstzeitlose (Giftpflanze d. J.) und der Efeu (Arzneipflanze d. J.).  Die Postkarten kann man sich auf der Internetseite des Umweltministeriums ansehen oder kostenfrei beim Zentralen Broschürenversand der Staatsregierung bestellen:  publikationen(at).sachsen.de http://www.natur.sachsen.de

Französisches Abi jetzt auch in Sachsen

Das Romain-Rolland-Gymnasium Dresden und das Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium Leipzig sind die ersten Schulen in Sachsen, die parallel zum deutschen Abitur das Französische Baccalauréat (AbiBac) anbieten.  Ab Schuljahr 2010/2011 können sich Gymnasiasten der Klassenstufe zehn, die die vertiefte sprachliche Ausbildung durchlaufen haben, darauf vorbereiten. In den Klassenstufen zehn bis 12 wird dann Französisch auf erhöhtem Niveau unterrichtet. In den letzten drei Jahren vor dem Abitur geht es auch in Geschichte und einem weiteren gesellschaftwissenschaftlichen Fach französischsprachig zu. Dresden kooperiert dabei mit einer Schule in Strasbourg, Leipzig mit einer Schule in Montpellier.

Neue Tempo-30-Zone in Dresden-Neustadt

In  Dresden-Neustadt  entsteht  eine neue Tempo-30-Zone westlich  der Königsbrücker Straße, die im Süden durch die Antonstraße und im Norden durch den Bischofsweg begrenzt wird. Im Westen reicht sie bis  zu  den Bahnanlagen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung   soll  den  Durchgangsverkehr  fernhalten und die Verkehrssicherheit   für Fußgänger und Radfahrer erhöhen. In diesem Zusammenhang gibt die Stadt den als Einbahnstraße ausgewiesenen Dammweg  zwischen Eschenstraße und Bischofsweg in beiden Richtungen für den Radverkehr  frei  und  schafft  damit eine Alternative zur belebten Königsbrücker  Straße.  Das  Parken entfällt dafür auf diesem Abschnitt des Dammweges.