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Waldschlößchenbrücke

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Das Dresdner Elbtal ist kein Welterbe mehr

25. June. 2009
25.June 2009
Mit einer Kundgebung auf dem Neumarkt beerdigten heute Abend einige hundert Menschen den Welterbetitel.

Dresdner beerdigen Welterbe-Titel Foto: Holland

Trübe Stimmung im Dresdner Elbtal. Der wolkenverhangene Himmel, aus dem es immer wieder regnet, passt zum Tag. Dresden hat gerade seinen Status als Weltkulturerbe verloren. Wegen des fortgesetzten Baus der Waldschlösschenbrücke in der einmaligen Flusslandschaft inmitten der Stadt entzog das Welterbekomitee der UNESCO heute während seiner Tagung in Sevilla Dresden den prestigeträchtigen Titel. Blamabel für Dresden, Sachsen und ganz Deutschland. Denn in der 34-jährigen Geschichte der UNESCO wurde bislang nur ein einziges Mal eine Welterbestätte von der Liste gestrichen. Das Komitee hatte mit 14 zu fünf Stimmen bei zwei Enthaltungen für die Aberkennung des Titels gestimmt. Zuvor war ein Antrag, die Entscheidung um ein weiteres Jahr zu verschieben, mit 13 zu 8 Stimmen abgelehnt worden.

Die Entscheidung ist konsequent. Denn bereits mehrmals räumte die UNESCO Dresden eine Gnadenfrist ein. Klar und deutlich ist ein Stopp des Brückenbaus gefordert und als Kompromiss vorgeschlagen worden, einen Tunnel zu errichten. Doch die Entscheidungsträger in Stadt, Land und Bund reagierten auf den Vorschlag nicht. Stattdessen reiste Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) kämpferisch im roten Kostüm nach Spanien. Zumindest passte die Farbe zu der Liste auf der Dresden schon seit drei Jahren wegen des umstrittenen Brückenbaus steht. Mit ihrer Beschwichtigungsrethorik, das Waldschlösschenbrücke und Weltkulturerbe-Titel vereinbar seien, stieß sie allerdings bei der UNESCO auf Granit. Zudem verstand man ihre Rede nicht, wie Beobachter berichten. Sie behauptete der Bau eines Tunnels sei rechtlich nicht möglich.

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Nach ihrer Rückkehr aus Spanien kann die Oberbürgermeisterin sagen, sie habe bis zum Schluss gekämpft. Doch die UNESCO sei uneinsichtig gewesen. Den Schwarzen Peter nahm das Komitee nicht an, sondern schickte Helma Orosz mit demselben wieder nach Hause. Es beschloss nämlich auch, dass sich Dresden erneut um einen Welterbetitel bewerben kann, wenn es dafür die entsprechenden Kriterien erfüllt. Eine große Geste und gleichzeitig ein Schachzug, denn damit liegt der Ball wieder bei Dresden.

Die Nachricht vom Titelverlust erreicht den Stadtrat, als er gerade Bilanz über die kommunalpolitische Arbeit der zurückliegenden Wahlperiode zieht. Die Bürgermeisterriege auf dem Podium zeigt keine Regung. Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) beugt sich nur noch tiefer über seine Akten. Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) konzentriert sich in Vertretung der Oberbürgermeisterin auf die Leitung der Sitzung. „Ich bin nicht schockiert“, sagte CDU-Fraktionschefin Christa Müller auf Nachfrage. Dresden habe mit einer solchen Entscheidung rechnen müssen. In gleicher Weise äußerte sich FDP-Fraktionschef Jan Mücke (FDP). „Es werden genauso viele Touristen wie bisher nach Dresden kommen“, meint der FDP-Politiker, der für seine Partei auch im Bundestag sitzt. Wider besseren Wissens erklärte er: „Dresden hatte in der UNESCO keinen fairen Partner gehabt.“

Die Fraktionschefin der Grünen, Eva Jähnigen, wertet die Aberkennung des Welterbetitels als „Tiefpunkt in der Stadtgeschichte“. Sie befürchtet negative Folgen für die Stadt, vor allem weiter sinkende Touristenzahlen. „Wir haben im Stadtrat versucht den Brückenbau zu stoppen und einen neuen Bürgerentscheid durchzusetzen“, erklärte sie im Namen der Opposition. „Die Verfechter des Welterbes im Rat haben viel getan, um den Titel zu erhalten, doch die Landesregierung hat alle Beschlüsse kassiert“, so Jähnigen. Auch die Bundesregierung habe den Dresdner Stadtrat in seinen Rettungsversuchen nicht unterstützt. André Schollbach, Fraktionschef der Linken, sprach von „einem traurigen Tag für Dresden“.

Für die trübe Stimmung in Dresden fand die Initiative „Welterbe erhalten“ mal wieder das beste Bild. Mit Trauerflor an der Dresden-Fahne und den UNESCO-Bannern führte sie einen Trauerzug vom Neustädter Markt über die Augustusbrücke zum Neumarkt an, um den Welterbe-Titel zu beerdigen. Auf eine Leinwand vor der Frauenkirche war das Tal von Bamiyan projiziert. Neben der leeren Nische, in der vor der Sprengung durch die Taliban einst ein Buddha stand, die Silhouette der Frauenkirche. Der Spruch zum Bild wurde auf einer Karte verteilt: „Der Zerstörung eines Welterbes der Menschheit geht immer der politische Wille der jeweiligen Machthaber voraus.“

 

(Brigitte Holland)

Kommentare

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Oli

Am 18. September. 2009 um 12:01 Uhr

Blamabel und schändlich - die alleinige Schuld tragen die Verantwortlichen in der Dresdner Politik. Sie sollte man zur Rechenschaft ziehen, hart und konsequent!
Den beteiligten Parteien sollte man die Kosten des Rückbaus der Brücke unmittelbar und zur Gänze zurechnen, ganz im Sinne der juristischen Ursächlichkeit. Denn hier ist Vorsatz am Werk, bewußtes Täuschen und das Herbeiführen eines Tatbestandes.
Diese Politik ist das Gegenteil dessen, was Politiker vor Amtsantritt schwören - nämlich Schaden vom Volk abzuwenden!
Die Entscheidung der UNESCO ist richtig, konsequent und hat die dummdreiste Verlogenheit der Politik Dresdens und Sachsens entlarvt!

 
 

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Justiz-Auktion im Internet

Die sächsische Justiz versteigert beschlagnahmte oder gepfändete Gegenstände auch via Internet. Sachsens Justizminister Martens (FDP) verspricht sich dadurch „bessere Verkaufschancen und höhere Erlöse im Interesse von Gläubigern und Schuldnern“. Sachsen nutzt zusammen mit anderen Bundesländern eine extra dafür eingerichtete Internetplattform, die rund um die Uhr von Interessenten zu erreichen ist, unter www.justiz-auktion.de

 

Klettern in der Sächsischen Schweiz weiter erlaubt

Im Naturschutzgebiet Sächsische Schweiz dürfen Klettersportler die Felsen erklimmen. Der Landtag passte dafür das Landesumweltrecht an das neue Bundesrecht unter Beibehaltung landesrechtlicher Regelungen an. „So wäre es zum Beispiel nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, in der Sächsischen Schweiz Klettersport zu betreiben“, so Umweltminister Frank Kupfer (CDU). „Das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz hat eine lange Tradition. Die Sportverbände arbeiten aktiv im Naturschutz mit und betreiben ihren Sport sehr verantwortungsvoll“, erklärt der Minister, weshalb Sachsen mit der Gesetzesanpassung das Verbot umging.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Doch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) hält für alle Rucksack-Touristen auch Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten bereit: den Sächsischen Weinwanderweg, den Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, für die Kammtour Erzgebirge-Vogtland und den Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

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Die Stadt Dresden bietet ein interaktives Internetportal zur kulturellen Bildung an: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, aber auch Familien und Schulklassen können auf dem Portal nach geeigneten Kursen und Veranstaltungen suchen. Kultureinrichtungen können ihre Angebote selbstständig einpflegen und aktualisieren. Das Portal beruht auf einer Kooperation zwischen dem Kulturamt und der Medien Verlags GmbH. Es wird aus Fördermitteln des Sächsischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt finanziert. www.dresdner-kulturelle-bildung.de

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