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Politik

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„Zug der Freiheit“ rollt abermals von Prag

03. September. 2009
03.September 2009
Markus Rindt saß 1989 in einem der Züge, die die Flüchtlinge aus der DDR, die in der Prager Botschaft auf ihre Ausreise warteten, in den Westen brachten. Im Hintergrund das berühmte Ankunftsbild in Hof.

Markus Rindt einer der Botschaftsflüchtlinge Foto: Holland

„Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist“. Das Ende des legendären Satzes, am 30. September 1989 vom damaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) vom Balkon der deutschen Botschaft in Prag gesprochen, ging in einen befreienden Aufschrei unter. Mehrere tausend aus der DDR geflüchtete Menschen hatten die Botschaft besetzt und wochenlang auf engstem Raum ausgeharrt, um ihre Freiheit zu erzwingen. Mit Sonderzügen von Prag nach Hof reisten sie ihr schließlich entgegen. 20 Jahre danach wird am 1. Oktober abermals ein „Zug der Freiheit“ von Prag nach Hof rollen. Doch anders als 1989 stoppt er in Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen.

An Bord des „Zuges der Freiheit“ werden Augenzeugen von einst und Jugendliche der Generation ’89 aus Deutschland und Osteuropa sein, die sich der friedlichen Revolution in der DDR und den Umbrüchen in ihren Heimatländern widmen. In den sechs Waggons öffnen sich Ausstellungen und Performances für interessierte Besucher an den jeweiligen Stationen. Die Idee zur ungewöhnlichen Geschichtsstunde stammt vom Dresdner Verein „Kultur Aktiv“. „Wir wollen keinen rollenden Historikerkongress auf die Schienen stellen, sondern über Kunst und Kultur Geschichte transportieren, um insbesondere Jugendliche zu erreichen“, erklärt Mirko Sennewald, Vize-Chef des Vereins.  Zwei Jahre lang haben die „Kulturaktivisten“ ehrenamtlich an dem Projekt mit Unterstützung vieler Partner gearbeitet. Geldgeber sind das Land und die Kulturstiftung Sachsen, der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds und der amerikanische German Marshall Fund of the United States.

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In Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen werden zur Ankunft des „Zuges der Freiheit“ jeweils Programme vorbereitet. In Dresden zünden 16 Hornisten der Dresdner Sinfoniker ein musikalisches Feuerwerk in der Kuppelhalle des Hauptbahnhofs. Genau dort flammte vor 20 Jahren erstmals der Unmut der Dresdner gegen die Staatsmacht auf. Die Menschen waren zum Hauptbahnhof geströmt, manche in der Hoffnung bei einem möglichen Halt noch einen Platz im Zug zu ergattern. Andere wollten den Flüchtlingen aus der Prager Botschaft einfach nur zuwinken. Die Polizei versperrte allerdings den Zugang zu den Gleisen, worauf sich Volkes Zorn entlud. Der Hauptbahnhof wurde demoliert. Doch mit ihrem Angriff - sogar auf eine vorbeifahrende Straßenbahn – trieb die Polizei die Menge zurück.

„Ich stand in jener denkwürdigen Nacht 1989 in Freiberg am Bahnhof. Als die Polizei dort Kampfhunde auf uns hetzte, rannten wir davon“ erzählt Mirko Sennewald. Tausende wie ihn hatte es an die von den DDR-Oberen vorbestimmte Ausreisestrecke für die Botschaftsflüchtlinge gezogen.  Um sie ausweisen zu können, sollten sie nochmals zurück in die DDR. Deshalb der Umweg von Prag nach Hof über Dresden, Freiberg, Chemnitz und Plauen. Das Beharren auf die völkerrechtliche Formalie bekam letztlich der DDR nicht gut.

Markus Rindt, einer der Chefs der 1997 gegründeten Dresdner Sinfoniker, saß vor 20 Jahren als 21-Jähriger im Zug von Prag nach Hof: „Ich wollte schon als Kind immer in den Westen abhauen, mit einem Ballon oder als Hirsch verkleidet“. Weil das nicht ging, versuchte es der Musiker 1989 über die deutsche Botschaft in Prag, obwohl die von tschechoslowakischen Soldaten schon abgeriegelt war. „Ein Vater mit seinen zwei Kindern nahm seinen ganzen Mut zusammen und ging einfach auf die Soldaten zu.  Als sie zurückwichen, liefen wir alle los“,  erzählt Markus Rindt wie er in die Botschaft hineinkam. Heraus kam er mit einem Bus, der zu einem abgelegenen Bahnhof in Prag fuhr, wo die Züge in die Freiheit starteten.

„Die Ankunft im Westen werde ich nie vergessen. Es war ein unglaublich herzlicher Empfang. Die Menschen in Hof hatten auf uns gewartet, mit Blumen, geschmierten Schnitten, Brötchen und Schokolade“, so Markus Rindt. Und an ein Bild erinnert er sich noch ganz genau: „Der ganze Bahnsteig lag voll mit Schüsseln und Hartgeld aus dem Osten.“

Nur einer von den sechs Waggons für den  „Zug der Freiheit“ 2009 war vor 20 Jahren auf der Strecke. „Wir haben uns allerdings um authentische bemüht. Die Deutsche Bahn Thüringen stellt uns baugleiche Waggons zur Verfügung“, so Mirko Sennewald. Bei der Suche fanden die Dresdner Kulturaktivsten auch endlich die Antwort auf die Frage, woher die Deutsche Reichsbahn so schnell die Züge für die Botschaftsflüchtlinge genommen hatte.  Es waren jene, die in Vorbereitung des 40. Jahrestages der DDR aus alten Beständen saniert worden waren. Sie waren dafür bestimmt die Teilnehmer des krönenden Fackelzuges nach Berlin zu bringen. Doch vor den staatstragenden  Passagieren reisten die vor der DDR Flüchtenden damit.

 

(Brigitte Holland)

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Online-Kalender der Dresdner Wissenschaft

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Justiz-Auktion im Internet

Die sächsische Justiz versteigert beschlagnahmte oder gepfändete Gegenstände auch via Internet. Sachsens Justizminister Martens (FDP) verspricht sich dadurch „bessere Verkaufschancen und höhere Erlöse im Interesse von Gläubigern und Schuldnern“. Sachsen nutzt zusammen mit anderen Bundesländern eine extra dafür eingerichtete Internetplattform, die rund um die Uhr von Interessenten zu erreichen ist, unter www.justiz-auktion.de

 

Klettern in der Sächsischen Schweiz weiter erlaubt

Im Naturschutzgebiet Sächsische Schweiz dürfen Klettersportler die Felsen erklimmen. Der Landtag passte dafür das Landesumweltrecht an das neue Bundesrecht unter Beibehaltung landesrechtlicher Regelungen an. „So wäre es zum Beispiel nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, in der Sächsischen Schweiz Klettersport zu betreiben“, so Umweltminister Frank Kupfer (CDU). „Das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz hat eine lange Tradition. Die Sportverbände arbeiten aktiv im Naturschutz mit und betreiben ihren Sport sehr verantwortungsvoll“, erklärt der Minister, weshalb Sachsen mit der Gesetzesanpassung das Verbot umging.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Doch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) hält für alle Rucksack-Touristen auch Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten bereit: den Sächsischen Weinwanderweg, den Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, für die Kammtour Erzgebirge-Vogtland und den Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

Internetportal zur kulturellen Bildung

Die Stadt Dresden bietet ein interaktives Internetportal zur kulturellen Bildung an: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, aber auch Familien und Schulklassen können auf dem Portal nach geeigneten Kursen und Veranstaltungen suchen. Kultureinrichtungen können ihre Angebote selbstständig einpflegen und aktualisieren. Das Portal beruht auf einer Kooperation zwischen dem Kulturamt und der Medien Verlags GmbH. Es wird aus Fördermitteln des Sächsischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt finanziert. www.dresdner-kulturelle-bildung.de

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