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Kultur

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Sachsen im Rausch des Weißen Goldes

26. January. 2010
26.January 2010
Bossiererin Angela Jähler setzt aus 25 Einzelteilen die Figur „Mädchen nach dem Bade“ zusammen. Die 8700 Euro teure Replik der Plastik von Robert Ockelmann von 1883 gehört zur Jubiläumskollektion der Manufaktur Meissen.

Eine Figur aus Meissener Porzellan entsteht Foto: Holland

Inszenierung eines Weißkopfadlers, dem Wappentier der USA, in der Sonderausstellung „Alle Nationen sind willkommen“. Die Großplastik schmückt seit 2008 die neue amerikanischen Botschaft in Berlin.

Die Manufaktur produziert neuerdings Schmuck. Prominenter Träger von Manschettenknöpfen mit den gekreuzten Schwertern in 18-karätigem Gold auf weißem Meissener Porzellan ist US-Präsident Barack Obama.

Vor 300 Jahren nimmt der Goldrausch in Sachsen ein glückliches Ende. Wenngleich sich das Versprechen, unedles Metall in edles verwandeln zu können, nicht erfüllt. So gipfelt der Irrweg der Chemie trotzdem in einem Erfolg: Das europäische Hartporzellan wird entdeckt, das feine weiße, das sich in Gold aufwiegen ließ. Um es in klingende Münze zu verwandeln, erlässt August der Starke am 23. Januar 1710 das Dekret zur Gründung der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Im Januar vor genau 300 Jahren startet das Unternehmen in Dresden, zieht noch im Juni des gleichen Jahres nach Meißen um. Immer noch im Rausch des Weißen Goldes feiert Sachsen nun ein ganzes Jahr lang das Gründungsjubiläum.

Die Porzellanmanufaktur Meissen eröffnete gerade ihre größte Sonderausstellung „Alle Nationen sind willkommen“. Die Schau erzählt, wie das Geschirr mit den gekreuzten blauen Schwertern im 18. Jahrhundert als Statussymbol auf den Tischen des Adels in ganz Europa glänzt und seine Dekore von verschiedenen Kulturen inspiriert sind. Im 19. Jahrhundert zieren Vasen oder Figürchen auch die Vitrinen des Bürgertums. Wandern als Erbstück von einer Generation zur anderen. Liebhaber auf der ganzen Welt sammeln bis heute Meissener Porzellan. Längst verbreitete sich das Geheimnis seiner Herstellung aus der Fabrik auf dem Meißner Burgberg, die einem Hochsicherheitstrakt glich, in ganz Europa. Trotzdem bleibt es einzigartig.

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Seine Geschichte begann mit der Selbstüberschätzung des Johann Friedrich Böttger und mit einer von ganz oben angeordneten Freiheitsberaubung. Der Apothekerlehrling in Berlin deutete an, Gold machen zu können. Um sich dem Zugriff des Königs von Preußen zu entziehen, flieht der 19-Jährige nach Wittenberg. Dort regiert der König von Polen und Kurfürst von Sachsen, der den Gold-Jungen nicht an Friedrich den Großen  ausliefern, sondern selbst behalten will. Böttger wird nach Dresden gebracht und sicher  verwahrt. Hinter den dicken Mauern des Schlosses beginnt er zu experimentieren.

August der Starke braucht Geld. Die  polnische Königskrone hatte viel gekostet. Unsummen verschlingt der Nordische Krieg gegen den Schwedenkönig. Mit der Anweisung „Schaff Gold Böttger!“ wird August der Starke noch heute zitiert. Die Geschichte hätte für den Alchimisten im Gefängnis auf der Festung Königstein tragisch enden können. Doch immer wieder kommt der Wissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus ins Spiel. Selbst ein leidenschaftlicher Forscher hatte er gewaltige Hohlspiegel und Brennlinsen entwickelt und mit den Sonnenöfen Mineralien geschmolzen. Doch nicht Gold, sondern Porzellan ist sein Ziel. Als königlicher Ratgeber – Wissenschaftsminister würde man heute sagen – überzeugt Tschirnhaus seinen Chef, Böttger „auf Porzellan laborieren“  zu lassen.

Im Team lösen Böttger, Tschirnhaus und der Bergrat Gottfried Pabst von Ohain das Rätsel der Porzellanherstellung. In den Kasematten des alten Dresdner Festungswalls an der Elbe brechen sie das Monopol der Chinesen. Unter dem Brühlschen Garten, wo heute die Touristen die Aussicht auf die Flusslandschaft genießen, glühten die Brennöfen Tag und Nacht. Pabst von Ohain verbessert die Technik der Öfen. Tschirnhaus bringt seine Erkenntnisse beim Schmelzen von Mineralien ein. Aus allen Teilen Sachsens lässt er Erden kommen, die Böttger wieder und wieder mischt, brennt und die Masse ein ums andere Mal verwirft.  1708 schlägt die Geburtsstunde des weißen europäischen Hartporzellans. Am 15. Januar stimmt das Mischungsverhältnis, wie eine Labornotiz belegt: Ein weißer durchscheinender Scherben kommt aus dem Brand. Doch erst im März 2009 wird die Erfindung offiziell verkündet, ein weiteres Jahr später die Gründung der Porzellanmanufaktur.

Das Dekret vom 23. Januar 1710 ist in vier Sprachen verfasst: in Lateinisch für die Gelehrten, in Deutsch fürs Volk, in Französisch für den Adel der Höfe in ganz Europa als potentielle Kunden, in Holländisch für die Kaufleute, die mit dem Import und Verkauf von chinesischem Porzellan bisher allein horrende Summen verdienten. Alle Welt sollte hören, dass Sachsen als einziges Land außerhalb Asiens in der Lage ist, Porzellan herzustellen, das dem ostasiatischen ebenbürtig ist. Die Erfinder bleiben in dem Dekret allerdings ungenannt. Möglicherweise wollte August der Starke den Zorn seines Vetters in Berlin nicht unnötig heraufbeschwören, dem der Goldvogel Böttger frühzeitig entwischt war.

300 Jahre Manufaktur Meissen. Die Jubiläumsveranstaltungen:

  • „All Nations Are Welcome" 23. Januar bis 31. Dezember 2010
    Museum of Meissen Art | Talstraße 9 | 01662 Meißen
  • „300 Jahre Manufaktur Meissen" Fotoausstellung 1. Mai bis 31. Oktober 2010
    Albrechtsburg Meissen | Domplatz 1 | 01662 Meißen
  • „Der Stein der Weis(s)en" 08. Mai bis 31. Oktober 2010
    Albrechtsburg Meissen | Domplatz 1 | 01662 Meißen
  • „Triumph der blauen Schwerter" 9. Mai bis 29. August2010
    Japanisches Palais | Palaisplatz 11 | 01097 Dresden

(Brigitte Holland)

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Zum Geburtstag freier Eintritt in die Kunstsammlungen

Wer Geburtstag hat, bekommt üblicherweise Geschenke. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) beschenken seit diesem Jahr ihre Besucher an deren jeweiligem Geburtstag mit freiem Eintritt. „Geburtstagskinder“ jeden Alters legen an der Kasse ihren Personalausweis vor und erhalten an dem Tag freien Eintritt in alle Museen der SKD an den Standorten Dresden, Leipzig und Herrnhut. Diese Regelung gilt auch für das Historische Grüne Gewölbe und sämtliche Sonderausstellungen.

Online-Kalender der Dresdner Wissenschaft

Immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein, heißt auch, zu wissen, woran die Forscher arbeiten. Mit dem Start des Dresden Science Calendar werden alle wissenschaftlichen Veranstaltungen im Raum Dresden auf einen Blick zugänglich gemacht. Im Rahmen des Wissenschaftsnetzwerkes DRESDEN-concept und in Kooperation mit der Stadt  und der Sandstein Neue Medien GmbH ist eine für den Informationsaustausch über wissenschaftliche Veranstaltungen maßgeschneiderte Internetplattform entstanden. Jeder, einschließlich der wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit, kann alle Ankündigungen nach verschiedenen Kriterien gefiltert abrufen. Die Internetplattform bietet auch Schnittstellen an, um relevante Vorträge zu einmal ausgewählten Suchkriterien und persönlichen Interessen automatisch vorzusortieren und regelmäßig strukturierte Benachrichtigungen per RSS-feed, iCal-Kalenderabonnement oder über andere Datenkanäle zu erhalten. Der Dresden Science Calendar ergänzt damit die bestehenden Ankündigungssysteme der einzelnen Institute, aus welchen die Informationen automatisch synchronisiert werden. www. wissenschaft.dresden.de/calendar

Dresdner Stadt-Atlas

Kurz und knapp stellt sich Dresden im Stadt-Atlas vor. Er enthält Straßen- und Wegekarten und Informationen zum öffentlichen Nahverkehr. Er gibt Auskunft, wo sich öffentliche und kulturelle Einrichtungen, Fußgängerzonen, öffentliche Toiletten, Einbahnstraßen, Parkplätze und Taxi-Standorte befinden. Darüber hinaus empfiehlt der Stadt-Atlas mit Text, Karte und 3D-Ansicht einen Stadtrundgang durch die Altstadt und die Neustadt von Dresden. Ein weiterer Teil des Stadt-Atlasses befasst sich mit 20 Jahren Kommunalentwicklung. Daten, Karten und Statistiken beschreiben die Entwicklung, zum Beispiel von Wohnungsbau, Verkehrsprojekten, Natur- und Denkmalschutz. Alte und neue Luftbilder werden gegenübergestellt. Die Broschüre im A4-Format umfasst 98 Seiten und kostet 5,35 Euro. Sie ist erhältlich in ausgewählten Buchhandlungen und im Kundenservice des Städtischen Vermessungsamtes, World Trade Center, Ammonstraße 74, 2. OG, Zimmer 2852, Telefon 4 88 41 38 oder 4 88 41 16, Fax 4 88 39 64, E-Mail vermessungsamt-ks@dresden.de. Öffnungszeiten: Montag und Freitag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr.  www.dresden.de/online-shop.

Justiz-Auktion im Internet

Die sächsische Justiz versteigert beschlagnahmte oder gepfändete Gegenstände auch via Internet. Sachsens Justizminister Martens (FDP) verspricht sich dadurch „bessere Verkaufschancen und höhere Erlöse im Interesse von Gläubigern und Schuldnern“. Sachsen nutzt zusammen mit anderen Bundesländern eine extra dafür eingerichtete Internetplattform, die rund um die Uhr von Interessenten zu erreichen ist, unter www.justiz-auktion.de

 

Klettern in der Sächsischen Schweiz weiter erlaubt

Im Naturschutzgebiet Sächsische Schweiz dürfen Klettersportler die Felsen erklimmen. Der Landtag passte dafür das Landesumweltrecht an das neue Bundesrecht unter Beibehaltung landesrechtlicher Regelungen an. „So wäre es zum Beispiel nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, in der Sächsischen Schweiz Klettersport zu betreiben“, so Umweltminister Frank Kupfer (CDU). „Das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz hat eine lange Tradition. Die Sportverbände arbeiten aktiv im Naturschutz mit und betreiben ihren Sport sehr verantwortungsvoll“, erklärt der Minister, weshalb Sachsen mit der Gesetzesanpassung das Verbot umging.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Doch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) hält für alle Rucksack-Touristen auch Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten bereit: den Sächsischen Weinwanderweg, den Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, für die Kammtour Erzgebirge-Vogtland und den Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

Internetportal zur kulturellen Bildung

Die Stadt Dresden bietet ein interaktives Internetportal zur kulturellen Bildung an: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, aber auch Familien und Schulklassen können auf dem Portal nach geeigneten Kursen und Veranstaltungen suchen. Kultureinrichtungen können ihre Angebote selbstständig einpflegen und aktualisieren. Das Portal beruht auf einer Kooperation zwischen dem Kulturamt und der Medien Verlags GmbH. Es wird aus Fördermitteln des Sächsischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt finanziert. www.dresdner-kulturelle-bildung.de

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