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Zwei Projekte gegen Schulverweigerer

24. March. 2009
24.March 2009

Johanna ist 12 Jahre und geht in die Klasse 7. Das Mädchen schwänzte im letzten Jahr an 42 Tagen die Schule. Sie wurde bisher zweimal von der Polizei aufgegriffen, weil sie vormittags im Kaufhaus der Stadt „bummelte“. So oder ähnlich beginnen Problembiografien. Statistisch erfasst sind sie in Sachsen bisher mit den 5000 Jugendlichen, die 2007 ohne Abschluss die Schule verließen. Damit es nicht soweit kommt, starten in Dresden zwei Bildungsträger neue Projekte für Schulverweigerer mit jeweils 15 Teilnehmern.

„Wir nehmen die Jugendlichen für eine halbes Jahr aus der Schule heraus, strukturieren mit ihnen gemeinsam den Alltag neu und versuchen die Freude am Lernen wieder zu wecken“, erklärt Rob Kuiper von der Gesellschaft zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration Dresden mbH (INT). Die Jugendlichen werden direkt beim Bildungsträger in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet und in den Werkstätten des Sächsischen Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden e.V. (SUFW) an praktische Arbeit herangeführt.

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Im Gegensatz zur INT wählte die Qualifizierungs- und Arbeitsförderungsgesellschaft Dresden mbH (QAD) eine andere Herangehensweise. „Wir gehen direkt an die Schulen und wollen bei den ersten Anzeichen von Schulverweigerung aktiv werden, indem wir mit Schülern und Eltern Gespräche führen, Psychologen zur Rate ziehen oder individuelle Nachhilfe vermitteln“, sagt Silke Hausdorf. Im Ansatz zwar unterschiedlich verfolgen beide Projekte mit dem Slogan „Die zweite Chance“ aber ein Ziel: Die 30 Jugendlichen sollen an die Regelschule zurückkehren beziehungsweise wieder regelmäßig am Unterricht teilnehmen.

„Es gibt nicht einen, sondern viele Gründe, weshalb Kinder oder Jugendliche auf Distanz zu ihrer Schule gehen“, sagt der Sozialpädagoge Andreas Wiere, Autor mehrerer Fachuntersuchungen zu dem Thema. Es liege nicht nur an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Schulsystem oder Schulklima, es liege auch an der familiären Situation, an Bindungsverlusten nach Scheidung der Eltern oder Tod. Psychologische Faktoren wie Ängste, aber auch zu starke Bindungen spielen ebenfalls eine Rolle. Schulverweigerung sei kein Problem bestimmter Schichten, es habe aber wohl etwas mit der Bewertung von Bildung und Schule im Elternhaus und Umfeld der Heranwachsenden zu tun.

„Zwei bis drei Schulverweigerer gibt es meist pro Klasse“, weiß Schulsozialarbeiterin Kathrin Rokasky von der Kindervereinigung Dresden aus ihrer täglichen Arbeit. Doch nicht immer seien es Jugendliche, die den Unterricht bewusst ablehnen, sondern die ihm wegen Überlastung einfach nicht folgen können. Ein Mädchen, das zu Hause den behinderten Bruder betreut und den Haushalt führt, weil sich die Mutter weigert dies zu tun, habe gar nicht die Kraft, um sich im Unterricht zu konzentrieren. In solchen Fällen arbeitet die Schulsozialarbeiterin eng mit dem Jugendamt an der Problemlösung. Die zwei neuen Projekte betrachtet Kathrin Rokasky als Ergänzung ihrer Arbeit mit Schulverweigerern: „Wir können keinen Nachhilfeunterricht geben oder an praktische Arbeit heranführen.“

Ansprechpartner für das Projekt bei der QAD für Dresden-West ist Silke Hausdorf, Telefon: 2 13 73 21 und für das Projekt der INT für Dresden-Ost ist es Rob Kuiper 43 88 89 01.

(Sieglinde Werner)

Kommentare

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Cassandra (Webseite)

Am 15. July. 2009 um 22:56 Uhr

Also ich würde mich nicht an der ungünstig formulierten Überschrift aufhalten, als auf den Inhalt zu schauen. Den diese Überschrift ist vermutlich garantiert nicht von den Projekten so gewählt wurden. Die bundesweiten Projekte arbeiten keinesfalls gegen irgendjemanden als vielmehr mit den Betroffenen zusammen um Sie dabei zu unterstützen die Schulvermeidung abzubauen und den Ursachen auf den Grund zu gehen sowie gegebenenfalls geeignete Maßnahmen und Hilfen installieren zu können. Es wird aus meiner Sicht endlich Zeit das diese Problematik angemessen angegangen wird, als immer nur von Dunkelziffern zu sprechen. Und das sollte an den Schulen selbst mit Unterstützung von Sozialpädagoginnen geschehen anstatt unnötige Schulverweise für die Schülerinnen auszusprechen oder die Schüler zu ignorieren um so die Problematik zu verbannen. Und gerade Dresden hat eine hohe Zahl an Schulverweigerern zu verzeichnen wie in den aktuellen Artikeln der Lokalzeitungen zu lesen ist. Da ich selbst Lehrerin an einer Dresdner Schule bin weiß ich sehr wohl um dieses Problem, doch ohne zusätzliche Hilfe von außen ist es äußerst schwierig, jeden einzelnen die notwendige Aufmerksamkeit und Unterstützung zukommen zu lassen. Die genauen Details zum Bundesprogramm habe ich auf folgender Homepage gefunden http://www.zweitechance.eu .

 

molli

Am 25. March. 2009 um 09:02 Uhr

Also den Titel finde ich ja eine Frechheit: Es geht schließlich nicht um Projekte _gegen_, sondern _für_ Schulverweigerer. Das zeigt mal wieder, dass die Kinder als das Problem betrachtet werden und nicht andere Ursachen. Wer aber Kinder mit ihren Reaktionen als das Problem betrachtet, braucht sich über ihre Verweigerung nicht wundern. Schließlich sind sie auch Menschen, die manchmal einfach nur direkter das tun, was die Erwachsenen sich längst haben austreiben lassen obwohl sie es selbst gern tun würden.

 
 

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