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Gesundheit/Soziales

Mit Messer und Gabel das Klima schützen

30. Juli. 2008
30.Juli 2008
Barbara Rütting, Jahrgang 1927 und seit 40 Jahren Vegetarierin, sprach in ihrer Eigenschaft als Alterspräsidentin im Bayerischen Landtag auf dem Welt-Vegetarier-Kongress über die Schwierigkeit Ziele der Vegetarier politisch durchzusetzen.

Star-Vegetarierin Barbara Rütting Foto: Holland

Paul McCartney gehört nicht zu den 600 Teilnehmern des Welt-Vegetarier-Kongresses, der in dieser Woche im Dresdner Kulturpalast tagt. Der berühmte Vegetarier steht auch nicht auf der Rednerliste des Programms, das noch bis Freitag fleischlose Kost in den Kontext von Ökologie, Welternährung und Tierschutz stellt. Auf Prominenz muss der Kongress deswegen nicht verzichten. Barbara Rütting ist eine ebenso schillernde Person. Die ehemalige Schauspielerin ist seit 2003 Landtagsabgeordnete der Grünen im Bayerischen Landtag. Mit ihrer Rede über „Lust und Frust einer vegetarischen Abgeordneten“ verlieh die engagierte Tierschützerin und Buchautorin dem Kongress heute zur Halbzeit neuen Schwung. Schließlich erschöpft sich das Welt-Vegetarierer-Treffen nicht im Austausch von Rezepten. Erörtert werden in rund hundert Vorträgen Ziele, die mit der vegetarischen Lebensweise verbunden sind.

Barbara Rütting, Jahrgang 1927 und seit 40 Jahren Vegetarierin,  lieferte zunächst mal den anschaulichen Beweis, dass Tofuwürstchen, Gemüseauflauf oder Salat  körperlich und geistig gesund erhalten. Die Alterspräsidentin des Bayerischen Landtages,  im roten Hosenanzug und schwarzen Shirt, trug ihre Rede frei vor. Dabei lief sie auf der Bühne hin und her. Immer dicht an der Rampe, den Zuhörern nahe.  Eigentlich halte sie ja gar nichts von langen Reden, viel lieber trete sie in Aktion, insbesondere wenn es um den Tierschutz geht. Aus Protest gegen die Masthähnchenhaltung, bei der Küken auf engstem Raum innerhalb von vier Wochen auf ein Gewicht von 1,5 kg gemästet werden, ließ sie schon mal einen Container voller dabei gestorbener Tiere vor der CDU-Zentrale in Berlin abkippen. Tote Hähnchen vor der Tür von Angela Merkel, das war eine Empfehlung aus dem Aktionskatalog von Barbara Rütting für das Ziel, Tiere zumindest artgerecht zu halten, wenn Mensch sie verspeisen will.

„Wir haben das Recht auf gesunde Nahrung“, machte sie klar, dass die Konsumenten eigentlich an einem Strang ziehen, egal ob Vegetarier oder Fleischesser. Wer nicht auf ein Steak verzichten kann, der sollte zumindest weniger essen. Zuviel tierisches Eiweiß mache krank, betonten schon Redner in vorangegangenen Vorträgen. „80 Milliarden Euro kostet in Deutschland jährlich die Behandlung von ernährungsbedingten Krankheiten“, so Barbara Rütting. Sie habe nach einer Rheumaerkrankung vor 40 Jahren ihre Ernährung auf pflanzliche Kost umgestellt. Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen schrieb die Tierschützerin und Vorkämpferin für Bio-Vollwertkost 17 Bücher. Mit ihrem Einzug in den Bayerischen Landtag konnte sie zwar weder Weißwürste noch Schweinshaxen vom Speiseplan der Landtagsgaststätte verbannen, aber immerhin eine Bio-Zertifizierung und ein vegetarisches Gericht durchsetzen. „Das essen inzwischen auch die Kollegen von der CSU“, wie ihr die Köchin verriet.

Gute Nahrung gedeiht nach Auffassung von Barbara Rütting auf ökologisch bewirtschafteten Feldern in den jeweiligen Regionen der Verbraucher. Derzeit werden in Deutschland lediglich fünf Prozent der landwirtschaftlichen Flächen von Öko-Betrieben bewirtschaftet. Der ökologische Landbau müsse so schnell wie möglich auf zehn Prozent gesteigert werden. Sie forderte die Kongressteilnehmer auf, den Politikern Druck zu machen, um dieses Ziel durchzusetzen. Denn Öko-Landbau vor der Haustür der Konsumenten sei auch ein Beitrag für den Klimaschutz. Beim Transport von ein Kilogramm Erdbeeren mit dem Flugzeug aus Südafrika nach München würden 11000 Gramm Kohlendioxid in die Luft geblasen, mit dem Lkw aus Italien 219 Gramm und vom bayerischen Feld lediglich 61 Gramm. „Sie haben es in der Hand mit Messer und Gabel etwas für den Klimaschutz zu tun“, rief Barbara Rütting den Kongressteilnehmern zu. Mit ihrem Verzicht auf Fleisch gehören die Vegetarier ja schon zu den Klimaschützern. Der Steak-Liebhaber kommt nach Berechnungen des bayerischen Umweltministeriums auf 1,82 Tonnen CO2 pro Jahr, Vegetarier hingegen auf weniger als eine Tonne. Japanische Wissenschaftler fanden jetzt heraus, dass bei der Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch, Gase mit einer Treibhauswirkung entstehen, die der von etwa 36 Kilogramm Kohlendioxid entspricht.

 „Hundert Jahre Nahrungsrevolution“ ist das Motto, unter dem der Vegetarierkongress zu seinen Ursprüngen zurückkehrt. Denn in Dresden fand im Jahr 1908 bereits das erste Welttreffen statt, bei dem auch die Internationale Vegetarier-Union (IVU) aus der Taufe gehoben wurde. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt  die Elbestadt als ein Zentrum der Bewegung mit vier vegetarischen Restaurants und dem berühmten Lahmann-Sanatorium an der Spitze. Der Arzt Heinrich Lahmann, der auf dem Weißen Hirsch praktizierte,  führte viele Krankheiten auf ungesunde Ernährung und zu hohen Fleischkonsum zurück.

Doch der erste deutsche Vegetarierverein ist nicht in Dresden, sondern 1867 im thüringischen Nordhausen gegründet worden. Weltweit führten die Briten mit der Gründung einer vegetarischen Gesellschaft im Jahr 1847 die Bewegung an. Dem seit 1892 existierenden deutschen Vegetarierbund gehören heute bundesweit 2000 Mitglieder an.

Vegetarisch leben, Ethik, Religion und Spiritualität ist das Hauptthema des Kongresses am 1. August. Als prominenter Redner spricht Eugen Drewermann. Sein Vortrag, 9.15 Uhr im Kulturpalast trägt den Titel „Von Tieren und Menschen oder: Das Postulat einer neuen Ethik“. Am Sonnabend endet der 38. Welt-Vegetarier-Kongress mit Teilnehmern aus 33 Ländern.

(Brigitte Holland)

20400 Studienanfänger zum Wintersemester

In Sachsen Hochschulen schrieben sich zum Wintersemester 2008/2009 rund 20400 Studenten ein, rund 450 weniger als im Jahr zuvor. Doch das Wissenschaftsministerium geht davon aus, dass sich die vom Statistischen Landesamt veröffentlichte Zahl durch die verlängerte Einschreibefrist noch erhöhen wird. 2007 begannen 20847 junge Menschen ein Studium, 2006 waren es lediglich 18600. Sachsen hält rund 20000 Studienanfängerplätze vor, um sie zu besetzen wirbt der Freistaat massiv in an den alten Bundesländern um Studenten. www.pack-dein-Studium.de

Stadt will keine Mehrkosten fürs Stadion übernehmen

Das Stadionbauunternehmen HBM will 8,4 Millionen Euro mehr von der Stadt für den Stadionneubau haben. Doch die Forderungen wies Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) jetzt öffentlich zurück. Vor dem Stadtrat erklärte er auf Nachfrage der Grünen, dass mit HBM ein Festpreis in Höhe von 44,6 Millionen Euro vereinbart worden sei. Insofern werde die Stadt auch nicht mehr zahlen. Sollte HBM vor Gericht gehen, habe die Stadt gute Karten in der Hand das Verfahren zu gewinnen. Der Stadionbauer begründet seine Forderung u.a. mit den gestiegenen Rohstoffpreisen und der Verzögerung bei der Vetragsunterzeichnung.

Verkehrsführung Bautzner Straße wieder ganz anders

Am 22. November, zwischen 7 und 24 Uhr, wird die Bautzner Straße zwischen Waldschlößchenstraße und Fischhausstraße nur in landwärtiger Richtung befahrbar sein, teilt die Stadt mit. Der stadtwärtige Verkehr wird über Fischhausstraße, Heideparkstraße, Charlottenstraße und Radeberger Straße umgeleitet. Notwendig ist dies, um einen Abwassersammler auszubauen.

Die letzte öffentliche Hinrichtung einer Frau

Am 24. November, 18 Uhr hält Swen Steinberg einen Vortrag zum Thema „Die letzte öffentliche Hinrichtung einer Frau. Zur Wahrnehmung von Grete Beier (1885–1908)“ im Stadtarchiv, Elisabeth-Boer-Straße 1. Der Eintritt ist kostenfrei. In seinem Vortrag setzt sich der  wissenschaftlicher Mitarbeiter und Promotionsstudent an der TU Dresden kritisch mit der Stellung der Frau im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert am Beispiel von Grete Beier auseinander.

Junge Fußballerinnen tragen ihre WM auch in Dresden aus

Dresden ist bereits als Austragungsort für die Frauen-Fußball-WM 2011 gesetzt. Jetzt gab das DFB-Präsidium die Spielorte für die Weltmeisterschaft der Nachwuchs-Fußballerinnen bekannt. Die U 20-Frauen-WM wird in vier deutschen Städten stattfinden, darunter Augsburg, Bielefeld und Bochum. Dresden ist mit dabei. Die FIFA hatte beschlossen, künftig im Vorjahr einer Frauenfußball-WM im gleichen Land eine Endrunde der jungen Fußballerinnen zu veranstalten. Im Männerfußball wird dieses Modell seit 2001 mit dem einer WM-Endrunde vorgeschalteten Confed-Cup praktiziert. Die U20-Weltmeisterschaft stellt für die Austragungsorte einen Testlauf für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr dar. Auch für Dresden und das 2009 fertig gestellte Stadion wird die Durchführung der Weltmeisterschaft der Juniorinnen eine Generalprobe für 2011 sein.

Praktikum im Kunstministerium

Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat für Dezember 2008 und das Jahr 2009 noch freie Praktikumsplätze im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Praktika richten sich an Studierende und sind für mindestens vier Wochen, höchstens zwei Monate angelegt. Im Verlauf des Praktikums werden die Studierenden von der Recherche über das Erstellen von Pressemeldungen bis hin zur Projektvorbereitung und -begleitung die Arbeit in der Pressestelle des SMWK kennenlernen. Aussagefähige Bewerbungen sind zu senden an: Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Postfach 10 09 20, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, 01079 Dresden oder per Mail an presse@smwk.sachsen.de

Buchvorstellung zur Geschichte der „Interflug“

Vor 50 Jahren, im September 1958, wurde die DDR-Fluggesellschaft Interflug gegründet. Aus diesem Anlass ist das neue Buch „Weg und Absturz der INTERFLUG – Die Geschichte des Unternehmens“ erschienen. Der Autor Karl-Dieter Seifert stellt es am Montag, dem 24. November, im Flughafen Dresden Terminal vor. Die Präsentation beginnt um 18 Uhr im Konferenz-Center. Im Anschluss steht er allen Gästen bei einer Gesprächs- und Signierrunde Rede und Antwort. Der Eintritt kostet inklusive Begrüßungssekt und kleinem Imbiss 8 Euro.