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Kein schwebender Saal für den Kulturpalast

23. June. 2009
23.June 2009
Der neue Konzertsaal der Architekten Caruso & Torricella für den Kulturpalast schwebt über den Besuchern in dem nach allen Seiten geöffneten Foyer. Ihre Idee würdigte die Jury mit dem 3. Preis.

Der schwebende Konzertsaal im Kulturpalast Foto: Holland

Die besten Musiksäle der Welt haben die Form eines Schuhkartons, meinen die Architekten des Büros Hentrich-Petschnigg & Partner. Ihr Entwurf eines neuen Konzertsaales wurde mit dem 2. Preis bedacht.

Die Jury vergab jedoch den 1. Preis für einen Konzertsaal in Form eines Weinberges, den das Berliner Büro Gerkan, Marg & Partner entwarf.

Raumschiff „Orion“ landet im Dresdner Kulturpalast. Zumindest assoziiert der mit dem 3. Preis bedachte Entwurf im Wettbewerb zum Umbau des Hauses dieses Bild. Der alte Multifunktionssaal soll nach dem Willen der Stadt einem reinen Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie weichen. Die Mailänder Architekten Giuseppe Caruso und Agata Torricella lassen auf ihren Plänen einen hypermodernen Saal in den Kulturpalast einschweben, allein durch Träger in den Schmetterlingswänden der alten Saalhülle gehalten. Ab 24. Juni ist ihr Entwurf zusammen mit allen anderen zum Umbau des Kulturpalastes im Festsaal des Stadtmuseums zu sehen.

Caruso und Torricella bauten in Mexiko, entwarfen ein Kunstmuseum in Buenos Aires und ein Zentrum für Industriekultur in Italien. Und für das Alte Museum Berlin konzipierten sie ein neues Raumkonzept. Doch ihr drittplatzierter Entwurf für den Dresdner Kulturpalast wird offensichtlich nicht gebaut. Die Jury unter Vorsitz des Hamburger Architekturprofessors Jörg Friedrich lobt zwar die „moderne Vision für das Haus“. Besonders gefällt die Idee, das ganze Erdgeschoss unter dem eingehängten neuen Konzertsaal zu einem Foyer mit einem neuen Ausgang an der Nordseite des Kulturpalastes zu gestalten. Damit öffnet sich der „Kulti“ nach allen Seiten, wird zu einem Kulturplatz im besten Sinne des Wortes. Aber aus Sicht des Denkmalschutzes wäre dieser spektakuläre Entwurf nicht genehmigungsfähig, meint die Jury.

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Einstimmig empfiehlt das Preisgericht den von ihr mit dem 1. Preis gewürdigten Plan der Architekten Gerkan, Marg & Partner zu realisieren. Das Büro mit Sitz in Hamburg und Berlin, eines der größten in der Republik, baute in der Vergangenheit Flughäfen und Bahnhöfe. Der Berliner Hauptbahnhof ohne herunterfallende Stahlteile ist ein Prestigeobjekt. Neuerdings stehen auch Kulturbauten wie die Weimarhalle, die Musik- und Kongresshalle in Lübeck oder das Grand Theatre in Chongqing in China auf ihrer Referenzliste. Der Jury vertritt die Auffassung, dass der Entwurf der Gerkan-Architekten am wenigstens in die alte Bausubstanz eingreift. Ihr Konzertsaal in Form eines sogenannten Weinberges, bei dem die 1900 Musikfreunde auf verschiedenen Ebenen um das Orchester herum sitzen, könne am besten in den Kulturpalast implantiert werden.

Genial ist ihre Idee, die Bibliothek rechts und links des neuen Konzertsaales über alle Etagen wie zwei Türme auszubilden. Wo die Konzertbesucher heute noch die Garderobe abgeben, wird die Bibliothek, die man über Fahrstühle erreicht, ihr eigenes Foyer haben. Man kann auch sagen, das alte erweitert sich unter den Konzertsaal, öffnet sich allerdings nicht wie beim 3. Preisträger zu einem großen Platz. Die Kleinkunstbühne mit 350 Plätzen als neues Domizil für die Herkuleskeule ordnet der 1. Preisträger in der ersten Etage im Ostflügel des Kulturpalastes an, der Westflügel bleibt der Gastronomie vorbehalten.

Weinberg oder Schuhkarton? Das wird in Dresden möglicherweise die nächste Streitfrage. Die Architekten des Büros Hentrich – Petschnigg & Partner aus Leipzig, die für ihren Entwurf den 2. Preis erhielten, plädieren für einen Konzertsaal in Form eines Kartons. „Die haben die beste Akustik“, weist Gerd Heise von HPP auf die berühmten Vorbilder in Wien und Amsterdam. „Weil Dresden ebenfalls einen erstklassigen Konzertsaal haben möchte, stand für uns schnell fest, es kann nur einer in der Form eines Schuhkartons sein“, so Gerd Heise. Die Jury wiederum kritisiert, dass es bei dem vorliegenden Entwurf „mehrere Plätze mit zu hoher Sicht- und Hördistanz“ gäbe. Dass die Sichtbeziehungen auch beim 1. Preisträger nicht bei allen Plätzen optimal ist, stellte sie dagegen nicht fest.

Der 2. Preisträger ordnet die Bibliothek wie ein U um den Konzertsaal an und erschließt sie ebenso wie die Kleinkunstbühne und die Gastronomie über die seitlichen Treppenhäuser. Insofern kann das Foyer mit Hauptzugang vom Altmarkt den abendlichen Konzertbesuchern vorbehalten bleiben, sich aber auch zu besonderen Veranstaltungen für Bibliotheksbesucher öffnen.

Eine Kostenschätzung verlangte die Stadt den Architekten nicht ab. Insofern steht in den Sternen, ob die Entwürfe für die bisher eingeplanten 65 Millionen Euro umzusetzen sind. „Die Prüfung lassen wir noch durch ein externes Büro vornehmen“, erklärte Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos). Erst Anfang 2010 werde der Stadtrat entscheiden, ob er der Empfehlung der Jury folgt. 2012 könnte dann der Umbau des Kulturpalastes starten. Es bleibt also noch viel Zeit, weiter über den schwebenden Konzertsaal nachzudenken.

Vom 24. Juni bis 8. Juli sind die Entwürfe zum Umbau des Kulturpalastes im Festsaal des Stadtmuseums in der Landhausstraße ausgestellt.

(Brigitte Holland)

Kommentare

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Falk Gräser (Webseite)

Am 24. June. 2009 um 09:54 Uhr

> Aber aus Sicht des Denkmalschutzes wäre dieser spektakuläre Entwurf
> nicht genehmigungsfähig, meint die Jury.

und wiedereinmal blockieren alte Vorschriften und Gedanken den Fortschritt.. wirklich schade, dass gute aber radikale Visionen nicht angenommen werden...
Ist es nicht das beste für ein Denkmal, wenn es weiter denkwürdig ist und nicht einfach nur alt?

 
 

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