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Im trüben Licht eines Abends des Jahres 1824 hält Carl Gustav Carus die Frauenkirche im „poetischen Schimmer“ fest. Er malt das sakrale Bauwerk möglicherweise aus seinem Wohnhaus neben dem Kurländer Palais. Eine Ausstellung in Dresden bewundert gerade den Arzt, Maler, Naturforscher, Naturphilosophen und Literaten in einer Person. Stellt ihn uns als einen der letzten Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts vor. Über den Neumarkt zum Schloss an der Frauenkirche vorbei muss der 1827 zum Leibarzt des sächsischen Königshauses berufene Carl Gustav Carus häufig geeilt sein. Knapp 200 Jahre später nehmen Marianne und Blouke Carus den gleichen Weg. Von Chicago angereist suchen sie in der Ausstellung die Begegnung mit ihrem universellen Vorfahren.
Die verwandtschaftliche Verbindung ist keine direkte. Carl Gustav Carus zeugte mit seiner Frau Caroline zwar elf Kinder, doch fünf starben bereits im Kindes- und Jugendalter. Seine Tochter Sophie Charlotte, verheiratet mit dem Bildhauer Ernst Rietschel, schenkt ihm den einzigen Enkel. Doch Ur-Enkel bleiben aus. Der Name Carus stirbt allerdings nicht aus, da er von mehreren Linien getragen wird. Ein Paul Carus aus dem Harz verbreitet ihn bis nach La Salle in Amerika. In der Kleinstadt 150 Kilometer von Chicago wird er 1886 Chef des Verlages, den der Zinkfabrikant Edward Hegeler aus Bremen gegründet hatte, und heiratet Mary, die Tochter des Hauses. In der Villa Mansion, im langjährigen Sitz des Familienverlages, kommt Enkel Blouke Carus 1927 zur Welt.
„Ich bin ein großer Verehrer meines Großvaters, obwohl ich ihn nie kennengelernt habe, weil er frühzeitig starb. Seine von Toleranz geprägten Ansichten beeindruckten mich“, erinnert sich Blouke Carus an die intensive Beschäftigung mit dessen Schriften. Der 1852 in Ilsenburg geborene Paul Carus, der in Greifswald, Straßburg und Tübingen Philosophie und klassische Philologie studierte, emigriert 1883 nach Amerika. Gut möglich, dass er bei seinem Besuch der Gottesdienste in der Frauenkirche die Auswanderung immer wieder abwägt. Seinen berühmten Namensvetter konnte er nicht um Rat fragen. Carl Gustav Carus war 1869 gestorben. Während sich jener nie von Dresden trennen mochte, es war die Stadt seines beruflichen Erfolges und der künstlerischen Inspiration, drängt es Paul Carus aus der geistigen Enge. Wegen seiner liberalen Ansichten bekam er als Lehrer in der Militärakademie Dresden Schwierigkeiten.
Enkel Blouke erwähnt den Anlass der Emigration nicht. Erzählt stattdessen davon, dass Paul Carus in seiner neuen Heimat über 70 Bücher schrieb, eine Vielzahl von Artikeln nicht mitgezählt. Unter seinem Credo, dass „Wissenschaft die Entfaltung des Geistes und ihrer Wahrheiten ist“, verlegt er in Amerika die Zeitschriften „The Open Court“ und „The Monist“, für die Philosophen wie Bertrand Russel, Schriftsteller wie Leo Tolstoi oder Mathematiker wie Charles Sanders Pierce schreiben. Vom Anspruch, Wissen zu erlangen und zu verbreiten, scheint offensichtlich jeder Carus besessen.
Blouke Carus entwickelt gleiche Leidenschaften. Von seinem Vater Edward Carus, dem Sohn von Paul und Mary, erbt er das naturwissenschaftliche Talent. Nach einem Studium der Elektrotechnik von 1944 bis 1949 an der berühmten Caltech (California Institut of Technologie) und danach der Chemie in Freiburg im Breisgau bei Nobelpreisträger Staudinger übernimmt er 1951 die vom Vater gegründete Chemiefabrik. Verbessert mit sieben Patenten die Produktion des dort hergestellten Kaliumpermanganats. Doch auch die Passion des Großvaters treibt ihn an, den Verlag weiter zu führen, selbst viel zu lesen und Wissen zu verbreiten. „Bildung trägt zur Toleranz und Verständigung bei“, ist Blouke Carus überzeugt.
Er will vor allem die junge Generation erreichen. Insofern verlagert er den Schwerpunkt des Verlages auf Schulbücher und Zeitschriften für Kinder. Seine Frau Marianne spielt bei der Neuausrichtung eine entscheidende Rolle. Zur Teezeit bei Professor Hermann Staudinger waren sich die attraktive Marianne, die in Freiburg deutsche und amerikanische Literatur studierte, und der junge Amerikaner begegnet. Sie will im Gespräch mit ihm ihr Englisch vervollständigen, er sein Deutsch verbessern. „Der erste Versuch 1939, auf dem Gymnasium in Freiburg Deutsch zu erlernen, war ja durch den Ausbruch des Krieges schnell beendet worden“, erzählt Blouke Carus. Seine Begegnung mit dem Deutschland der Nazis, bringt ihn jedoch nicht davon ab, einen zweiten Versuch zu starten, um die Sprache seines Großvaters und berühmten Verwandten in Dresden zu verinnerlichen. Mit der ihn inspirierenden Marianne kehrt er mit einem kurzen Abstecher an die Pariser Sorbonne, um noch schnell Französisch zu lernen, frisch vermählt nach Illinois heim.
Das Interesse an Erziehung, Philosophie, Kunst und Literatur verbindet die beiden. Gemeinsam bringen sie methodisch völlig neue Schulbücher heraus, damit die Kinder schneller und besser Englisch lernen. Marianne Carus kreiert im Verlag im Verlauf von 40 Jahren mehrere Zeitschriften für Kinder: „Ich wollte, dass sie Geschichten von den besten Schriftstellern der Welt lesen“. Blouke Carus wird Mitglied des Nationalen Rates für Bildung und Forschung. Er beteiligt sich maßgeblich an der Einführung des internationalen Abiturs in Nordamerika und an weiteren Schulreformen. Für sein Engagement als Förderer amerikanischer Schulkinder wird er in die „Hall of Fame“ der Schulbuch-Verleger aufgenommen.
Kunst und Wissenschaft sind längst getrennt und in isolierte Teilgebiete aufgespalten. Der romantische Gegenentwurf einer ganzheitlichen Welterfassung wie ihn Carl Gustav Carus verkörpert, verdiene heute wieder Aufmerksamkeit, meint der Naturwissenschaftler Blouke Carus. Die große Carus-Schau in Dresden geht auch auf seine Anregung und finanzielle Unterstützung zurück: „Wir wollten die Ausstellung eigentlich nach Chicago holen.“ Doch auch für ihn als vermögenden Kunstfreund erwiesen sich die Versicherungskosten als zu hoch. „Wir sind schon etwas traurig“, räumt Marianne Carus ein. Trotzdem genießt sie den Rundgang durch den Gobelinsaal in den Alten Meistern, wo der größte Teil der Bilder und Zeichnungen von Carl Gustav Carus zu sehen sind. Ihren Mann begeistern vor allem die neurologischen Forschungen des universellen Sachsen. Denn lange vor der modernen Tiefenpsychologie erkannte dieser die Bedeutung des Unbewussten.
Der faszinierende Aufstieg des Carl Gustav Carus vom Färbersohn zum königlichen Leibarzt wird nicht, wie man vermuten könnte, in der Carus-Familie in Illinois als Vorgriff auf den „American way of life“ kommuniziert. In den Erzählungen über old Germany taucht der entfernte Verwandte aber immer wieder als schillernde Persönlichkeit von großer Gelehrsamkeit auf. Blouke Carus ist kein malender Arzt, wohl aber ein Cello spielender Chemieunternehmer und Verleger geworden. Beim Fototermin in der Ausstellung lächelt der multitalentierte Carus dem universellen auf dem Ölgemälde respektvoll zu.
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Wer Geburtstag hat, bekommt üblicherweise Geschenke. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) beschenken seit diesem Jahr ihre Besucher an deren jeweiligem Geburtstag mit freiem Eintritt. „Geburtstagskinder“ jeden Alters legen an der Kasse ihren Personalausweis vor und erhalten an dem Tag freien Eintritt in alle Museen der SKD an den Standorten Dresden, Leipzig und Herrnhut. Diese Regelung gilt auch für das Historische Grüne Gewölbe und sämtliche Sonderausstellungen.
Immer auf dem neuesten Stand der Wissenschaft zu sein, heißt auch, zu wissen, woran die Forscher arbeiten. Mit dem Start des Dresden Science Calendar werden alle wissenschaftlichen Veranstaltungen im Raum Dresden auf einen Blick zugänglich gemacht. Im Rahmen des Wissenschaftsnetzwerkes DRESDEN-concept und in Kooperation mit der Stadt und der Sandstein Neue Medien GmbH ist eine für den Informationsaustausch über wissenschaftliche Veranstaltungen maßgeschneiderte Internetplattform entstanden. Jeder, einschließlich der wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit, kann alle Ankündigungen nach verschiedenen Kriterien gefiltert abrufen. Die Internetplattform bietet auch Schnittstellen an, um relevante Vorträge zu einmal ausgewählten Suchkriterien und persönlichen Interessen automatisch vorzusortieren und regelmäßig strukturierte Benachrichtigungen per RSS-feed, iCal-Kalenderabonnement oder über andere Datenkanäle zu erhalten. Der Dresden Science Calendar ergänzt damit die bestehenden Ankündigungssysteme der einzelnen Institute, aus welchen die Informationen automatisch synchronisiert werden. www. wissenschaft.dresden.de/calendar
Kurz und knapp stellt sich Dresden im Stadt-Atlas vor. Er enthält Straßen- und Wegekarten und Informationen zum öffentlichen Nahverkehr. Er gibt Auskunft, wo sich öffentliche und kulturelle Einrichtungen, Fußgängerzonen, öffentliche Toiletten, Einbahnstraßen, Parkplätze und Taxi-Standorte befinden. Darüber hinaus empfiehlt der Stadt-Atlas mit Text, Karte und 3D-Ansicht einen Stadtrundgang durch die Altstadt und die Neustadt von Dresden. Ein weiterer Teil des Stadt-Atlasses befasst sich mit 20 Jahren Kommunalentwicklung. Daten, Karten und Statistiken beschreiben die Entwicklung, zum Beispiel von Wohnungsbau, Verkehrsprojekten, Natur- und Denkmalschutz. Alte und neue Luftbilder werden gegenübergestellt. Die Broschüre im A4-Format umfasst 98 Seiten und kostet 5,35 Euro. Sie ist erhältlich in ausgewählten Buchhandlungen und im Kundenservice des Städtischen Vermessungsamtes, World Trade Center, Ammonstraße 74, 2. OG, Zimmer 2852, Telefon 4 88 41 38 oder 4 88 41 16, Fax 4 88 39 64, E-Mail vermessungsamt-ks@dresden.de. Öffnungszeiten: Montag und Freitag von 9 bis 12 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 9 bis 18 Uhr. www.dresden.de/online-shop.
Die sächsische Justiz versteigert beschlagnahmte oder gepfändete Gegenstände auch via Internet. Sachsens Justizminister Martens (FDP) verspricht sich dadurch „bessere Verkaufschancen und höhere Erlöse im Interesse von Gläubigern und Schuldnern“. Sachsen nutzt zusammen mit anderen Bundesländern eine extra dafür eingerichtete Internetplattform, die rund um die Uhr von Interessenten zu erreichen ist, unter www.justiz-auktion.de
Im Naturschutzgebiet Sächsische Schweiz dürfen Klettersportler die Felsen erklimmen. Der Landtag passte dafür das Landesumweltrecht an das neue Bundesrecht unter Beibehaltung landesrechtlicher Regelungen an. „So wäre es zum Beispiel nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, in der Sächsischen Schweiz Klettersport zu betreiben“, so Umweltminister Frank Kupfer (CDU). „Das Felsklettern in der Sächsischen Schweiz hat eine lange Tradition. Die Sportverbände arbeiten aktiv im Naturschutz mit und betreiben ihren Sport sehr verantwortungsvoll“, erklärt der Minister, weshalb Sachsen mit der Gesetzesanpassung das Verbot umging.
Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Doch die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) hält für alle Rucksack-Touristen auch Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten bereit: den Sächsischen Weinwanderweg, den Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, für die Kammtour Erzgebirge-Vogtland und den Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert. www.sachsen-tourismus.de
Die Stadt Dresden bietet ein interaktives Internetportal zur kulturellen Bildung an: Kinder, Jugendliche und Erwachsene, aber auch Familien und Schulklassen können auf dem Portal nach geeigneten Kursen und Veranstaltungen suchen. Kultureinrichtungen können ihre Angebote selbstständig einpflegen und aktualisieren. Das Portal beruht auf einer Kooperation zwischen dem Kulturamt und der Medien Verlags GmbH. Es wird aus Fördermitteln des Sächsischen Wissenschaftsministeriums und der Stadt finanziert. www.dresdner-kulturelle-bildung.de
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