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Ein Carus kam bis La Salle in Amerika

02. Juli. 2009
02.Juli 2009
Marianne und Blouke Carus aus Amerika treffen in der Ausstellung „Carl Gustav Carus. Natur und Idee“ in der Gemäldegalerie Alte Meister ihren universellen Vorfahren.

Marianne und Blouke Carus treffen Carus Foto: Holland

Im trüben Licht eines Abends des Jahres 1824 hält Carl Gustav Carus die Frauenkirche im „poetischen Schimmer“ fest. Er malt das sakrale Bauwerk möglicherweise aus seinem Wohnhaus neben dem Kurländer Palais. Eine Ausstellung in Dresden bewundert gerade den Arzt, Maler, Naturforscher, Naturphilosophen und Literaten in einer Person. Stellt ihn uns als einen der letzten Universalgelehrten des 19. Jahrhunderts vor. Über den Neumarkt zum Schloss an der Frauenkirche vorbei muss der 1827 zum Leibarzt des sächsischen Königshauses berufene Carl Gustav Carus häufig geeilt sein. Knapp 200 Jahre später nehmen Marianne und Blouke Carus den gleichen Weg. Von Chicago angereist suchen sie in der Ausstellung die Begegnung mit ihrem universellen Vorfahren.

Die verwandtschaftliche Verbindung ist keine direkte. Carl Gustav Carus zeugte mit seiner Frau Caroline zwar elf Kinder, doch fünf starben bereits im Kindes- und Jugendalter. Seine Tochter Sophie Charlotte, verheiratet mit dem Bildhauer Ernst Rietschel, schenkt ihm den einzigen Enkel. Doch Ur-Enkel bleiben aus. Der Name Carus stirbt allerdings nicht aus, da er von mehreren Linien getragen wird. Ein Paul Carus aus dem Harz verbreitet ihn bis nach La Salle in Amerika. In der Kleinstadt 150 Kilometer von Chicago wird er 1886 Chef des Verlages, den der Zinkfabrikant Edward Hegeler aus Bremen gegründet hatte, und heiratet Mary, die Tochter des Hauses. In der Villa Mansion, im langjährigen Sitz des Familienverlages, kommt Enkel Blouke Carus 1927 zur Welt.

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„Ich bin ein großer Verehrer meines Großvaters, obwohl ich ihn nie kennengelernt habe, weil er frühzeitig starb. Seine von Toleranz geprägten Ansichten beeindruckten mich“, erinnert sich Blouke Carus an die intensive Beschäftigung mit dessen Schriften. Der 1852 in Ilsenburg geborene Paul Carus, der in Greifswald, Straßburg und Tübingen Philosophie und klassische Philologie studierte, emigriert 1883 nach Amerika. Gut möglich, dass er bei seinem Besuch der Gottesdienste in der Frauenkirche die Auswanderung immer wieder abwägt. Seinen berühmten Namensvetter konnte er nicht um Rat fragen. Carl Gustav Carus war 1869 gestorben. Während sich jener nie von Dresden trennen mochte,  es war die Stadt seines beruflichen Erfolges und der künstlerischen Inspiration, drängt es Paul Carus aus der geistigen Enge. Wegen seiner liberalen Ansichten bekam er als Lehrer in der Militärakademie Dresden Schwierigkeiten.

Enkel Blouke erwähnt den Anlass der Emigration nicht. Erzählt stattdessen davon, dass Paul Carus in seiner neuen Heimat über 70 Bücher schrieb, eine Vielzahl von Artikeln nicht mitgezählt. Unter seinem Credo, dass „Wissenschaft die Entfaltung des Geistes und ihrer Wahrheiten ist“, verlegt er in Amerika die Zeitschriften „The Open Court“ und „The Monist“, für die Philosophen wie Bertrand Russel, Schriftsteller wie Leo Tolstoi oder Mathematiker wie Charles Sanders Pierce schreiben. Vom Anspruch, Wissen zu erlangen und zu verbreiten, scheint offensichtlich jeder Carus besessen.

Blouke Carus entwickelt gleiche Leidenschaften. Von seinem Vater Edward Carus, dem Sohn von Paul und Mary, erbt er das naturwissenschaftliche Talent. Nach einem Studium der Elektrotechnik von 1944 bis 1949 an der berühmten Caltech (California Institut of Technologie) und danach der Chemie in Freiburg im Breisgau bei Nobelpreisträger Staudinger übernimmt er 1951 die vom Vater gegründete Chemiefabrik. Verbessert  mit sieben Patenten die Produktion des dort hergestellten Kaliumpermanganats. Doch auch die Passion des Großvaters treibt ihn an, den Verlag weiter zu führen, selbst viel zu lesen und Wissen zu verbreiten. „Bildung trägt zur Toleranz und Verständigung bei“, ist Blouke Carus überzeugt.

Er will vor allem die junge Generation erreichen. Insofern verlagert er den Schwerpunkt des Verlages auf Schulbücher und Zeitschriften für Kinder. Seine Frau Marianne spielt bei der Neuausrichtung eine entscheidende Rolle. Zur Teezeit bei Professor Hermann Staudinger waren sich die attraktive Marianne, die in Freiburg deutsche und amerikanische Literatur studierte, und der junge Amerikaner begegnet. Sie will im Gespräch mit ihm ihr Englisch vervollständigen, er sein Deutsch verbessern. „Der erste Versuch 1939, auf dem Gymnasium in Freiburg Deutsch zu erlernen, war ja durch den Ausbruch des Krieges schnell beendet worden“, erzählt Blouke Carus. Seine Begegnung mit dem Deutschland der Nazis, bringt ihn jedoch nicht davon ab, einen zweiten Versuch zu starten, um die Sprache seines Großvaters und berühmten Verwandten in Dresden zu verinnerlichen. Mit der ihn inspirierenden Marianne kehrt er mit einem kurzen Abstecher an die Pariser Sorbonne, um noch schnell Französisch zu lernen, frisch vermählt nach Illinois heim.

Das Interesse an Erziehung, Philosophie, Kunst und Literatur verbindet die beiden. Gemeinsam bringen sie methodisch völlig neue Schulbücher heraus, damit die Kinder schneller und besser Englisch lernen.  Marianne Carus kreiert im Verlag im Verlauf von 40 Jahren mehrere Zeitschriften für Kinder: „Ich wollte, dass sie Geschichten von den besten Schriftstellern der Welt lesen“. Blouke Carus wird Mitglied des Nationalen Rates für Bildung und Forschung. Er beteiligt sich maßgeblich an der Einführung des internationalen Abiturs in Nordamerika und an weiteren Schulreformen. Für sein Engagement als Förderer amerikanischer Schulkinder wird er in die „Hall of Fame“ der Schulbuch-Verleger aufgenommen.

Kunst und Wissenschaft sind längst getrennt und  in isolierte Teilgebiete aufgespalten. Der romantische Gegenentwurf einer ganzheitlichen Welterfassung wie ihn Carl Gustav Carus verkörpert, verdiene heute wieder Aufmerksamkeit, meint der Naturwissenschaftler Blouke Carus. Die große Carus-Schau in Dresden geht auch auf seine Anregung und finanzielle Unterstützung zurück: „Wir wollten die Ausstellung eigentlich nach Chicago holen.“ Doch auch für ihn als vermögenden Kunstfreund erwiesen sich die Versicherungskosten als zu hoch. „Wir sind schon etwas traurig“, räumt Marianne Carus ein. Trotzdem genießt sie den Rundgang durch den Gobelinsaal in den Alten Meistern, wo der größte Teil der Bilder und Zeichnungen von Carl Gustav Carus zu sehen sind. Ihren Mann begeistern vor allem die neurologischen Forschungen des universellen Sachsen. Denn lange vor der modernen Tiefenpsychologie erkannte dieser die Bedeutung des Unbewussten.

Der faszinierende Aufstieg des Carl Gustav Carus vom Färbersohn zum königlichen Leibarzt wird nicht, wie man vermuten könnte, in der Carus-Familie in Illinois als Vorgriff auf den „American way of life“ kommuniziert. In den Erzählungen über old Germany taucht der entfernte Verwandte aber immer wieder als schillernde Persönlichkeit von großer Gelehrsamkeit auf. Blouke Carus ist kein malender Arzt, wohl aber ein Cello spielender Chemieunternehmer und Verleger geworden. Beim Fototermin in der Ausstellung lächelt der multitalentierte Carus dem universellen auf dem Ölgemälde respektvoll zu.  

(Brigitte Holland)

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Arbeiten aus der Grafikwerkstatt Dresden

Grafiken, die Künstler 1989/1990 und 2009/2010 in der Dresdner Grafikwerkstatt druckten, sind bis zum 30. September in der neuen Ausstellung der  „Galerie  2. Stock“ im Rathaus zu sehen. Auch  wenn  die  Themen 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit nicht vordergründig verarbeitet worden sind, so sind sie doch als Atmosphäre und „Hintergrundleuchten“ spürbar. Grafiken von Klaus Drechsler, Angela Hampel, Eberhard Havekost,   Christiane   Just,   Maja   Nagel,  Gudrun  Trendafilov und Claus Weidensdorfer sind zu sehen. Seit  1958  werden  in  der Grafikwerkstatt Dresden, Arbeitsmöglichkeiten für Dresdner  Künstler  angeboten. Geöffnet  ist  die  „Galerie 2. Stock“ montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Jetzt hat die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) für alle Rucksack-Touristen ein neues Angebot parat: Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten: Sächsischer Weinwanderweg, Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, Kammtour Erzgebirge-Vogtland und Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

Ab Dezember nonstop von Dresden nach Basel

Ab Dezember bekommt Dresden eine Direktflugverbindung mehr. Die Fluggesellschaft easyJet eröffnet am 3. Dezember die Nonstoproute Dresden-Basel. Dreimal wöchentlich - mittwochs, freitags und sonntags - wird vom Flughafen Dresden-Klotzsche der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg angeflogen. Die neuen Flüge in die Schweiz lassen sich ab 8. Juli buchen unter www.easyJet.com

Jetzt dreimal pro Woche nonstop Dresden – Moskau

Aeroflot hat die Flugverbindungen zwischen Dresden und Moskau-Scheremetjewo weiter verbessert. Seit Juni bietet die russische Fluggesellschaft einen zusätzlichen Flug am Mittwoch und damit drei Nonstopflüge pro Woche und Richtung an. Der moderne Airbus A319 mit 116 Plätzen startet um 17.20 Uhr, montags bereits um 16.40 Uhr in Dresden. Die Landung in Moskau erfolgt um 21.55 Uhr bzw. am Montag um 21.15 Uhr. In der russischen Hauptstadt hebt die Maschine um 15 Uhr Ortszeit ab und erreicht Dresden um 15.40 Uhr Ortszeit.  Den Hin- und Rückflug kostet inklusive aller Steuern und Gebühren ab 211 Euro. Die Flugzeit beträgt rund zweieinhalb Stunden.

Tiere und Pflanzen des Jahres auf Postkarten

Auch in diesem Jahr will Sachsens Umweltministerium mit Postkarten zur Natur des Jahres 2010 den Blick wieder auf bekannte und weniger bekannte Schönheiten unserer heimischen Flora und Fauna lenken. Ausgesucht wurden dafür der Dachs (Tier des Jahres 2010), der Schönbär (Schmetterling d. J.), die Vogelkirsche (Baum d. J.), der Teichmolch (Lurch d. J.), die Herbstzeitlose (Giftpflanze d. J.) und der Efeu (Arzneipflanze d. J.).  Die Postkarten kann man sich auf der Internetseite des Umweltministeriums ansehen oder kostenfrei beim Zentralen Broschürenversand der Staatsregierung bestellen:  publikationen(at).sachsen.de http://www.natur.sachsen.de

Französisches Abi jetzt auch in Sachsen

Das Romain-Rolland-Gymnasium Dresden und das Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium Leipzig sind die ersten Schulen in Sachsen, die parallel zum deutschen Abitur das Französische Baccalauréat (AbiBac) anbieten.  Ab Schuljahr 2010/2011 können sich Gymnasiasten der Klassenstufe zehn, die die vertiefte sprachliche Ausbildung durchlaufen haben, darauf vorbereiten. In den Klassenstufen zehn bis 12 wird dann Französisch auf erhöhtem Niveau unterrichtet. In den letzten drei Jahren vor dem Abitur geht es auch in Geschichte und einem weiteren gesellschaftwissenschaftlichen Fach französischsprachig zu. Dresden kooperiert dabei mit einer Schule in Strasbourg, Leipzig mit einer Schule in Montpellier.

Neue Tempo-30-Zone in Dresden-Neustadt

In  Dresden-Neustadt  entsteht  eine neue Tempo-30-Zone westlich  der Königsbrücker Straße, die im Süden durch die Antonstraße und im Norden durch den Bischofsweg begrenzt wird. Im Westen reicht sie bis  zu  den Bahnanlagen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung   soll  den  Durchgangsverkehr  fernhalten und die Verkehrssicherheit   für Fußgänger und Radfahrer erhöhen. In diesem Zusammenhang gibt die Stadt den als Einbahnstraße ausgewiesenen Dammweg  zwischen Eschenstraße und Bischofsweg in beiden Richtungen für den Radverkehr  frei  und  schafft  damit eine Alternative zur belebten Königsbrücker  Straße.  Das  Parken entfällt dafür auf diesem Abschnitt des Dammweges.

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