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Dresdner News

Der letzte universelle Sachse

30. Juni. 2009
30.Juni 2009
Carl Gustav Carus 1828 als frischgebackener Leibarzt der sächsischen Königsfamilie in einem Porträt von Carl Vogel von Vogelstein.

Carl Gustav Carus 1828 von Vogelstein gemalt Foto: SKD

„Kahnfahrt auf der Elbe“ . Die Gemäldesammlung Düsseldorf stellt das 1827 von Carus gemalte kleine Bild als Leihgabe für die Ausstellung in Dresden zur Verfügung. Foto:SKD

Er half hunderten kleinen Sachsen auf die Welt. Er erforschte den Körperbau von Tier und Mensch. Er entdeckte den Blutkreislauf in den Kiemen von Libellenlarven. Und er malte ganz nebenbei unzählige lichtverklärte Landschaften. Das Bild „Kahnfahrt auf der Elbe“ ist eine Liebeserklärung an die Stadt, in der er unermüdlich wirkte. Carl Gustav Carus (1789-1869) brauchte offensichtlich nur wenige Stunden Schlaf. Seinen Forscherdrang und sein Wissensspektrum bewundert jetzt die Ausstellung „Carl Gustav Carus. Natur und Idee“ im Kupferstich-Kabinett im Schloss und im Gobelin-Saal in der Galerie Alte Meister. Der Arzt, Naturforscher, Maler, Zeichner, Naturphilosoph und Literat wird erstmals von allen Seiten betrachtet.

„Er war einer der letzten Universalgelehrten“, sagt Martin Roth, Chef der Staatlichen Kunstsammlungen. Die bis zum 20. September in Dresden laufende Ausstellung vermittelt die Erkenntnis Weimar hatte seinen Goethe, Berlin seinen Humboldt und Dresden seinen Carus. Sie klärt über eine universelle Persönlichkeit auf, die bisher entweder nur als Arzt oder als Maler im Kreis der Dresdner Romantiker um Caspar David Friedrich wahrgenommen wurde. „Wir wollten den Blick endlich auf den ganzen Carus lenken“, sagt Wolfgang Holler, Chef des Kupferstichkabinetts.

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Die Lebensgeschichte von Carus ist die eines faszinierenden Aufstiegs vom Bürgersohn zum königlichen Leibarzt. Er wurde 1789 als Sohn eines selbständigen Färbermeisters in Leipzig geboren, der Privatunterricht im Elternhaus erhielt, das Leipziger Thomas-Gymnasium besuchte und in seiner Geburtsstadt Medizin studierte. Außer dem Zeichenunterricht muss er sich wenig Ablenkung gegönnt haben. Denn bereits mit 22 Jahren schrieb Carus an seiner Dissertation und erwirbt damit die Lehrbefähigung im Fach Vergleichende Anatomie. 1814 wird er nach Dresden als Professor für Geburtshilfe und als Leiter des Entbindungsinstituts der Königlich-Sächsischen Chirurgischen-Medicinischen Akademie berufen. 1827 wurde Carus zum Leibarzt der königlichen Familie ernannt.

In seiner Privatpraxis behandelte Carus die Dresdner Oberschicht. Er war ein gefragter Arzt. „Er hatte eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen“, sagt der Medizinhistoriker Albrecht Scholz. „Er sah die Hauptaufgabe des Arztes darin, die Gründe und Umstände zu erkennen und zu verfolgen, warum ein Patient krank geworden ist“, erklärt Scholz. Biografische Anamnese nenne man das heute. „Und er führte den Begriff des Unbewussten, das das Bewusste prägt, lange vor Freud in die Medizin ein“, so Scholz. Aus heutiger Sicht war Carus ein moderner Arzt. Die Bewältigung einer Krankheit verstand er als Teil der allgemeinen Lebenskunst. Die Ausstellung zeigt medizinische Utensilien seiner Zeit und theoretische Schriften.

Carus erforschte Zeitlebens das Wesen des Lebens. Er studierte den Körperbau von Tier und Mensch, verglich ihre Skelette und kam auf der Suche nach den Gemeinsamkeiten auf seine Wirbeltheorie. Die Wirbel nennt er die „Ur-Theile des Knochen und Schalengerüsts“, die je nach Tierart unterschiedlich ausgeformt und verortet sind und im menschlichen Organismus die höchste Entwicklungsform erreichen. Ein Vorgriff auf Darwins Evolutionstheorie war das jedoch nicht. Seine Wirbeltheorie fußt auf der Metamorphosenlehre von Goethe, wonach sich die Natur in den verschiedenen Arten in den einzelnen ihr möglichen Modifikationen ausgeprägt hat, und auf den Theorien des Naturforschers und Naturphilosophen Lorenz Oken. Carus stand im Briefwechsel mit den großen Denkern seiner Zeit, darunter auch Alexander von Humboldt, mit dem er sich über die Landschaftsmalerei austauschte.

Die Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern nach Themen geordnet. Trotz des Anspruchs den „ganzen Carus“ zu zeigen, kommt das künstlerische Schaffen nicht zu kurz. Zu sehen sind rund 250 Gemälde und Zeichnungen. Er hielt fest, was er in der Natur sah: Bäume, Felsen, Wasser, Ruinen und Landschaften im diffusen Licht des Mondes. Eben die Motive der Romantiker. Carus Werke stehen im Kontext zu 50 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen seiner Zeitgenossen wie Caspar David Friedrich und Johan Christian Dahl.

Aus seinem Drang den Menschen zu vermessen, zog Carus auch fragwürdige Rückschlüsse. Eine ganze Wand im Kupferstichkabinett ist mit Totenmasken und Schädeln aus seiner Sammlung gefüllt. Aus Form und Maß eines Kopfes meinte er auf den Charakter und geistige Fähigkeiten schließen zu können. Carus strickte an eine Anatomie der Differenzen mit, die die Parameter Rasse, Geschlecht, Kriminalität und Wahnsinn in den Schädel einschrieb. Die mittlere Hirnregion sei bei Schwachsinnigen, Frauen sowie den „Dämmervölkern“ besonders entwickelt. Die vordere wies er dem intelligenten Manne zu. Dem Kopf der großen Sängerin Wilhelmine Schröder-Devrient attestierte er dann doch mit den bisher gemessenen Frauenköpfen „die meiste Intelligenz“. Ein Vergleich zum durchschnittlichen Mann blieb allerdings aus.

Die Ausstellung „Carl Gustav Carus. Natur und Idee“ ist bis 20. September geöffnet, täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt 10 Euro (ermäßigt 7,50 Euro).

Ein Katalog für 29,90 Euro und ein Essayband für 34,90 Euro – jeweils Museumsausgabe -  ist im Deutschen Kunstverlag erschienen. Im Paket kosten sie 60 Euro.

 

(Sieglinde Werner)

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Arbeiten aus der Grafikwerkstatt Dresden

Grafiken, die Künstler 1989/1990 und 2009/2010 in der Dresdner Grafikwerkstatt druckten, sind bis zum 30. September in der neuen Ausstellung der  „Galerie  2. Stock“ im Rathaus zu sehen. Auch  wenn  die  Themen 20 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit nicht vordergründig verarbeitet worden sind, so sind sie doch als Atmosphäre und „Hintergrundleuchten“ spürbar. Grafiken von Klaus Drechsler, Angela Hampel, Eberhard Havekost,   Christiane   Just,   Maja   Nagel,  Gudrun  Trendafilov und Claus Weidensdorfer sind zu sehen. Seit  1958  werden  in  der Grafikwerkstatt Dresden, Arbeitsmöglichkeiten für Dresdner  Künstler  angeboten. Geöffnet  ist  die  „Galerie 2. Stock“ montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Online-Wanderpläne für Sachsen

Mit Kompass und Karte unterwegs zu sein, ist die gewohnte Art, Sachsen wandernd zu entdecken. Jetzt hat die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS) für alle Rucksack-Touristen ein neues Angebot parat: Online-Wanderpläne für die sechs beliebtesten Wanderrouten: Sächsischer Weinwanderweg, Malerweg, Oberlausitzer Bergweg, Vogtland Panorama Weg, Kammtour Erzgebirge-Vogtland und Muldentalwanderweg. Alle wichtigen Details vom Streckenverlauf über Schwierigkeitsgrad bis hin zu Rastplätzen und Entfernungen sowie die gps-Daten sind auf den Wanderseiten zu finden. Wofür die TMGS mit dem Freizeit- und Tourismusportal AlpRegio kooperiert.  www.sachsen-tourismus.de

Ab Dezember nonstop von Dresden nach Basel

Ab Dezember bekommt Dresden eine Direktflugverbindung mehr. Die Fluggesellschaft easyJet eröffnet am 3. Dezember die Nonstoproute Dresden-Basel. Dreimal wöchentlich - mittwochs, freitags und sonntags - wird vom Flughafen Dresden-Klotzsche der EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg angeflogen. Die neuen Flüge in die Schweiz lassen sich ab 8. Juli buchen unter www.easyJet.com

Jetzt dreimal pro Woche nonstop Dresden – Moskau

Aeroflot hat die Flugverbindungen zwischen Dresden und Moskau-Scheremetjewo weiter verbessert. Seit Juni bietet die russische Fluggesellschaft einen zusätzlichen Flug am Mittwoch und damit drei Nonstopflüge pro Woche und Richtung an. Der moderne Airbus A319 mit 116 Plätzen startet um 17.20 Uhr, montags bereits um 16.40 Uhr in Dresden. Die Landung in Moskau erfolgt um 21.55 Uhr bzw. am Montag um 21.15 Uhr. In der russischen Hauptstadt hebt die Maschine um 15 Uhr Ortszeit ab und erreicht Dresden um 15.40 Uhr Ortszeit.  Den Hin- und Rückflug kostet inklusive aller Steuern und Gebühren ab 211 Euro. Die Flugzeit beträgt rund zweieinhalb Stunden.

Tiere und Pflanzen des Jahres auf Postkarten

Auch in diesem Jahr will Sachsens Umweltministerium mit Postkarten zur Natur des Jahres 2010 den Blick wieder auf bekannte und weniger bekannte Schönheiten unserer heimischen Flora und Fauna lenken. Ausgesucht wurden dafür der Dachs (Tier des Jahres 2010), der Schönbär (Schmetterling d. J.), die Vogelkirsche (Baum d. J.), der Teichmolch (Lurch d. J.), die Herbstzeitlose (Giftpflanze d. J.) und der Efeu (Arzneipflanze d. J.).  Die Postkarten kann man sich auf der Internetseite des Umweltministeriums ansehen oder kostenfrei beim Zentralen Broschürenversand der Staatsregierung bestellen:  publikationen(at).sachsen.de http://www.natur.sachsen.de

Französisches Abi jetzt auch in Sachsen

Das Romain-Rolland-Gymnasium Dresden und das Anton-Philipp-Reclam-Gymnasium Leipzig sind die ersten Schulen in Sachsen, die parallel zum deutschen Abitur das Französische Baccalauréat (AbiBac) anbieten.  Ab Schuljahr 2010/2011 können sich Gymnasiasten der Klassenstufe zehn, die die vertiefte sprachliche Ausbildung durchlaufen haben, darauf vorbereiten. In den Klassenstufen zehn bis 12 wird dann Französisch auf erhöhtem Niveau unterrichtet. In den letzten drei Jahren vor dem Abitur geht es auch in Geschichte und einem weiteren gesellschaftwissenschaftlichen Fach französischsprachig zu. Dresden kooperiert dabei mit einer Schule in Strasbourg, Leipzig mit einer Schule in Montpellier.

Neue Tempo-30-Zone in Dresden-Neustadt

In  Dresden-Neustadt  entsteht  eine neue Tempo-30-Zone westlich  der Königsbrücker Straße, die im Süden durch die Antonstraße und im Norden durch den Bischofsweg begrenzt wird. Im Westen reicht sie bis  zu  den Bahnanlagen. Die Geschwindigkeitsbegrenzung   soll  den  Durchgangsverkehr  fernhalten und die Verkehrssicherheit   für Fußgänger und Radfahrer erhöhen. In diesem Zusammenhang gibt die Stadt den als Einbahnstraße ausgewiesenen Dammweg  zwischen Eschenstraße und Bischofsweg in beiden Richtungen für den Radverkehr  frei  und  schafft  damit eine Alternative zur belebten Königsbrücker  Straße.  Das  Parken entfällt dafür auf diesem Abschnitt des Dammweges.

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